Kurssturz nach Forschungsflop
Pfizer laufen die Aktionäre davon

Nachdem der US-Pharmakonzern Pfizer bekannt gegeben hat, die Entwicklung eines hoffnungsvollen Medikamtes einzustellen, ist die Aktie an der Frankfurter Börse um mehr als 11 Prozent gefallen. Auch die Papiere der Konkurrenten reagieren.

HB NEW YORK/FRANKFURT. An der New Yorker Börse – die am Nachmittag öffnet – drohe den Papieren gar ein Absturz von bis zu 25 Prozent, sagten Analysten. Der überraschende Entwicklungsstopp des Cholesterin-Mittels Torcetrapib wegen Sicherheitsbedenken könne dort auch die Aktien von anderen Arzneimittelherstellern ins Minus ziehen, so die Experten. Die britische Firma Astra-Zeneca mit ihrem Konkurrenzpräparat Crestor sowie die Schweizer Roche Holding profitierten jedoch vom Pfizer-Rückschlag.

Der weltgrößte Pharmakonzern hatte auf Anraten einer unabhängigen Kommission die klinischen Tests für das Cholesterin-Mittel gestoppt. Die Kommission hatte von Todesfällen und erhöhtem Blutdruck unter den Testpatienten berichtet. Pfizer stellte umgehend die Entwicklung des Medikaments ein. Das frühzeitige Scheitern des Hoffnungsträgers reißt ein Loch von mehreren Mrd. Dollar in die Umsatzplanung des Konzerns, der sich nun als Ersatz nach anderen Produkten umsehen muss.

Das neue Präparat Torcetrapib sollte Pfizer das Wachstum sichern, wenn die Patente für Verkaufsschlager wie Lipitor auslaufen. Lipitor ist der weltweit am häufigsten verkaufte Cholesterin-Senker und bringt Pfizer Milliarden ein. Das Patent dafür läuft aber spätestens 2011 aus, womit Pfizer stärkerer Konkurrenz durch Nachahmerprodukte ausgesetzt ist.

Astra-Zeneca-Papiere schnellten im frühen Handel knapp 2 Prozent in die Höhe. Im Verlauf notierten sie noch 0,8 Prozent im Plus. Roche-Titel legte am Morgen um knapp 0,9 Prozent zu. Roche entwickelt ebenfalls ein Konkurrenzprodukt zu Torcetrapib, das von Japan Tobacco lizenziert wurde. Analysten rechneten damit, dass auch in den USA einige Pharma-Konzerne direkt von den schlechten Nachrichten Pfizers profitieren könnten, darunter Abbott Laboratories.

Doch generell gingen die Experten eher davon aus, dass Pfizers Rückschlag den Pharma-Sektor insgesamt belasten könnte. Schließlich werfe er ein Schlaglicht auf die Risiken der Arzneimittelentwicklung und vor allem auf die Gefahr, sich zu sehr auf einzelne Medikamente zu verlassen. „Wenn man von Verkaufsschlagern lebt, kann man schwer getroffen werden, wenn diese Verkaufsschlager nicht zu Stande kommen“, sagte Steve Brozak, Analyst bei WBB Securities.

Anders als andere Mittel zur Kontrolle des Blutfettspiegels sollte Torcetrapib vor allem das „gute“ HDL-Cholesterin ankurbeln und nicht das „böse“ LDL-Cholesterin angreifen.

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