Kurz vor milliardenschwerem Zukauf
Henkel ist auf der Zielgeraden

Der Konsumgüterkonzern Henkel steht vor der größten Übernahme in seiner mehr als 130-jährigen Firmengeschichte. Damit dürften die Klebstoffe um Pritt und Pattex bei dem Düsseldorfer Konzern in Zukunft noch mehr Gewicht bekommen.

HB DüSSELDORF. Der mit Henkel verbündete Chemiekonzern Akzo Nobel erklärte am Montag, den Rivalen ICI für insgesamt acht Mrd. Pfund (11,8 Mrd. Euro) - 670 Pence je Aktie - schlucken zu wollen. Gelingt die Übernahme, wollen die Niederländer Teile der ICI- Tochter National Starch mit Umsätzen von fast zwei Mrd. Euro für knapp vier Mrd. Euro an den Düsseldorfer Konzern weiterreichen. Es könnte allerdings noch Monate dauern, bis der Zukauf endgültig in trockenen Tüchern ist.

Henkel hat mit Akzo bereits einen Vertrag zum Kauf der National-Starch-Geschäfte geschlossen. Der durch Marken wie Pritt, Pattex und Persil bekannte Konzern will so sein Industrie- und Klebstoffgeschäft entscheidend stärken - durch die neue Kunden und den Ausbau der Stellung in Asien. Der Konsumgüterhersteller hatte zuletzt 2004 mit dem 2,9 Mrd. Euro teuren US-Konkurrenten Dial einen großen Zukauf gestemmt, um sein Waschmittelgeschäft auszubauen.

Akzo will mit dem Kauf des britischen Rivalen seine weltweite Führungsposition im Farben-Geschäft ausbauen. Der niederländische Konzern war bei ICI mehrfach abgeblitzt, weil der britische Rivale mehrere Übernahme-Angebote als zu niedrig erachtet hatte. Die am Montag vorgelegte Offerte entspricht einem Aufschlag von 22 Prozent auf den Aktienkurs von ICI vom 15. Juni. Das Akzo-Management muss mit dem Angebot aber noch die Anteilseigner von ICI und die eigenen Aktionäre überzeugen. Denn nach Medienberichten sperrt sich der an Akzo beteiligte US-Fonds TPG-Axon gegen die Pläne, weil er den Preis für ICI als zu hoch erachtet.

Auch Analysten zeigten sich skeptisch: Akzo könne mehr Wert mit einem geringeren Risiko schaffen, wenn die Niederländer den britischen Rivalen nicht übernähmen, sagten Experten der Rabobank. Akzo-Chef Hans Wejers sagte aber, er sei zuversichtlich, die Anteilseigner auf seine Seite ziehen zu können. ICI-Chef John McAdam sprach von einem guten Geschäft für die ICI-Aktionäre. Bis spätestens Dezember solle die Übernahme abgeschlossen werden, sagte Wejers.

Wie Henkel die Übernahme finanzieren will, ist noch nicht bekannt. Vorstandschef Ulrich Lehner hatte erklärt, man prüfe alle Optionen - darunter eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf von Aktivitäten, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehörten. Unter Zeitdruck steht Henkel dabei nicht. Denn der Konzern will die Übernahme der National-StarcH-Geschäfte rund vier Monate nach der Übernahme von ICI durch Akzo in trockene Tücher bringen - also voraussichtlich im ersten Quartal 2008. Der Zukauf solle den Gewinn der Düsseldorfer bereits im ersten Jahr wachsen lassen, hatte Lehner angekündigt.

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