Kurzfristige Kosteneinsparungen bergen Gefahren für die Marktposition des Autoherstellers in Europa
Sparzwang treibt Ford in die Enge

Bei Ford wird an allen Ecken der Rotstift angesetzt: „Um unsere Profitabilität zu verbessern, ist es klar, dass wir den Teileaustausch zwischen unseren Premiummarken Jaguar, Land Rover und Volvo mit der Volumenmarke Ford erhöhen müssen“, kündigte David Thursfield, Konzernvorstand des hinter GM zweitgrößten Autobauers, jetzt an. Die Lage scheint so ernst zu sein, dass Gefahren beiseite geschoben werden.

HB FRANKFURT. Denn Marktbeobachter befürchten durch diese Strategie eine Imageverwässerung der Ford-Luxusmarken, die in der Premier Automotive Group (PAG) zusammengefasst sind. Negative Erfahrungen hat der Konzern bereits gemacht: Der Erfolg des kleinen Jaguar X-Type wurde unter anderem dadurch geschmälert, dass ihm zu viele Gemeinsamkeiten mit dem Ford Mondeo nachgesagt wurden.

Eine Schädigung der Luxusmarken ist jedoch nicht die einzige Gefahr, die der Sparzwang bei Ford in sich trägt. Vor allem auf dem zuletzt hoch defizitären Markt in Europa ist auch der Druck hoch und die Maßnahmen sind entsprechend drastisch. In der Branche wird bereits befürchtet, dass Ford damit über das Ziel hinausschießt und sich in eine neuerliche Schieflage manövriert.

Der Befreiungsschlag, zu dem der erst seit August amtierende Europa-Chef von Ford, Lewis Booth, in der vergangenen Woche ausgeholt hat, traf die Ford-Gemeinde hart: Millionen-Investitionen werden gestoppt, fast 5 000 Beschäftigte in Köln und dem belgischen Genk sollen das Unternehmen verlassen, die Produktion wird gedrosselt, alles steht auf dem Prüfstand. Ford reagiert mit Macht auf die hohen Verluste in Europa. Bis zum Ende des Jahres will die Konzernzentrale in Dearborn Gewinne sehen und Lewis Booth will seine Chefs nicht enttäuschen.

Die langfristige Perspektive für die Marke wird dadurch kaum verbessert. „Die Reaktion des Ford-Managements deutet auf Panik hin. Die Maßnahmen sind prozyklisch und könnten die Probleme des Unternehmens sogar verschärfen“, glaubt Christoph Stürmer, Experte beim Marktforschungsinstitut Dri Automotive Global Insight. „Einem schwachen Trend hinterherzuschrumpfen, ist noch keine zukunftsträchtige Strategie", kommentiert auch Henrik Lier, Autoanalyst der WestLB. Rolf Woller, Automobilexperte bei der Hypovereinsbank wertet das Verhalten der Ford-Führung als reine Schadensbegrenzung.

Dabei befand sich Ford durchaus auf einem erfolgverheißenden Weg. Das Unternehmen hat Defizite bei der Qualität beseitigt, seine Produktpalette erneuert und an einem einheitlichen Auftritt der Marke gearbeitet. Selbst der dennoch entstandene Verlust von mehr als einer halben Mrd. $ allein im zweiten Quartal 2003 wertet Christoph Stürmer nicht als Zeichen einer strukturellen Krise: „Die Reaktion darauf könnte aber zu einer strukturellen Krise führen“, warnt er. Zumal die Situation „in den für Ford entscheidenden Segmenten nicht einfacher geworden ist“, wie Hypovereinsbank-Experte Woller betont. Der Focus-Konkurrent Golf kommt neu auf den Markt, Opel greift 2004 mit einem neuen Astra an und auch der überarbeitete Mondeo sieht sich einem härteren Wettbewerb ausgesetzt. Noch betont Ford-Europa-Chef Booth, dass die Entwicklung neuer Modelle nicht beschnitten wird. Sollte er diesen Kurs auf Grund des Spardrucks nicht halten können, hätte das nach Meinung Stürmers fatale Folgen: „Dann steht Ford in einigen Jahren wieder mit einer lückenhaften Produktpalette auf verlorenem Posten.“

Doch selbst, wenn dies nicht passiert, schaden die Einschnitte in Genk schon jetzt dem Image der Marke: Denn die Beschäftigten begehren auf und wollen sich den Entscheidungen nicht beugen. Sie gehen auf die Straße, weil sie um die Zukunft des gesamten Standorts fürchten.

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