Kurzfristige Rettung
Merckle-Imperium bald ohne Ratiopharm

Der dringend benötige Überbrückungskredit für die angeschlagene Firmengruppe von Adolf Merckle, der am Montag Selbstmord begangen hatte, ist genehmigt. Allerdings muss der Pharmahersteller Ratiopharm verkauft werden. Und es gibt unangehme Bedingungen für Merckles Sohn Ludwig.

HB ULM/BLAUBEUREN. Die Familie des verstorbenen Pharma-Unternehmers Adolf Merckle bekommt von ihren Banken den dringend benötigten Kredit für ihr finanziell angeschlagenes Firmenimperium. Zur endgültigen Rettung der Gruppe wird die Familie aber um harte Schritte nicht herumkommen. So ist ein Verkauf des von Merckle gegründeten Arzneimittelherstellers Ratiopharm bereits ausgemachte Sache.

Das Geld sei überwiesen, bestätigte die Merckle-Vermögensverwaltung VEM am Mittwoch Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir sind sehr froh, eine Lösung gefunden zu haben“, sagte Merckles-Sohn Ludwig. Der Liquiditätsengpass sei abgewendet, die langfristige Sanierung gesichert. Finanzkreisen zufolge beläuft sich der Überbrückungskredit auf rund 400 Mio. Euro. Damit gewinnt die Familie nun Zeit, um die erforderliche Sanierung und Umschuldung der Gruppe anzugehen.

Der geplante Verkauf von Ratiopharm soll über einen Treuhänder erfolgen, der von den Banken und VEM gemeinsam bestimmt werde. Die Ratiopharm-Geschäftsführung werde den Verkauf steuern. Mit den Banken wurde zudem vereinbart, dass sich Merckles Sohn Ludwig aus der Geschäftsführung von VEM zurückzieht. Ratiopharm geht davon aus, dass der Verkaufsprozess mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Experten rechnen damit, dass der Verkauf von Ratiopharm, die zuletzt auf einen Jahresumsatz von etwa 1,8 Mrd. Euro kamen, angesichts der Finanzkrise schwierig wird. Als Kaufpreis nennen Banker zwei bis drei Mrd. Euro.

Adolf Merckle hatte sich am Montag das Leben genommen. Als Beweggrund führte die Familie die wirtschaftliche Notlage seiner Firmen an, die durch die Finanzkrise verursacht worden sei. Merckle hatte in den vergangenen Jahren ein riesiges und schwer durchschaubares Firmenkonglomerat aufgebaut, zu dem neben dem Baustoffkonzern HeidelbergCement und Ratiopharm auch der Pharmahändler Phoenix gehört. Die Merckle-Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit rund 100 000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 30 Mrd. Euro. Die Rettung der Gruppe ließ die Aktien von HeidelbergCement um mehr als fünf Prozent in die Höhe schnellen.

In den nächsten Monaten wird es darum gehen, die milliardenschwere Schuldenlast der Firmengruppe durch eine umfassende Umschuldung zu verringern. Insbesondere HeidelbergCement steht nach dem Kauf des britischen Konkurrenten Hanson mit mehreren Mrd. Euro in der Kreide. Der Börsenwert des Unternehmens verringerte sich seitdem im Zuge der eingebrochenen Baukonjunktur erheblich. Die Kreditgeber fordern daher frisches Kapital. Verschärft wurden die Finanznöte Merckles noch durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien.

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