Lactalis
Franzosen planen Großfusion im Milchmarkt

Das Familienunternehmen Lactalis will den Joghurthersteller Yoplait übernehmen. Damit wollen die Franzosen zur Nummer zwei auf dem Weltmarkt aufsteigen - direkt hinter Danone. Andere Interessenten könnten die Pläne allerdings durchkreuzen.
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PARIS. In der europäischen Milchindustrie steht eine neue Großübernahme bevor. Das französische Familienunternehmen Lactalis will den Wettbewerber Yoplait für 1,3 Mrd. Euro übernehmen, kündigte Lactalis gestern an. Das Unternehmen hat 36 500 Mitarbeiter und setzt 8,5 Mrd. Euro um. Yoplait macht mit vier Mrd. Euro gerade mal halb so viel Umsatz und gehört je zur Hälfte der französischen Milchgenossenschaft Sodiaal sowie dem Beteiligungsfonds PAI.

Bisher hat nur PAI erklärt, Yoplait verkaufen zu wollen. Sodiaal hingegen zögert noch und will vor allem die Markenrechte weiter kontrollieren.

Das neue Duo aus Yoplait und Lactalis würde bei Milchprodukten weltweit die Nummer zwei hinter Platzhirsch Danone werden. Lactalis wurde 1933 gegründet und wird von der Familie Besnier kontrolliert. Das Unternehmen könnte mit der Übernahme sein Markenportfolio deutlich erweitern.

Bisher ist Lactalis vor allem für Käse und Milch-Produkte bekannt, darunter Marken wie Roquefort Société, Käse der Marke Président und Galbani sowie Milch der Marke Lactel. Mit dem Zukauf würde sich das Familienunternehmen bei Fruchtjoghurts verstärken, allen voran mit dem Trinkjoghurt Yoplait.

Lactalis ist für seine Expansionspolitik bekannt. Im Jahr 2008 verbündeten sich die Franzosen mit Nestlé in einem Joint Venture für Frischmilchprodukte für den europäischen Markt, an dem Lactalis die Mehrheit hält.

Das Familienunternehmen will die Milchgenossenschaft Sodiaal (Umsatz 2,5 Mrd. Euro, Gewinn 30 Mio. Euro) mit einer Barofferte zum Verkauf der Anteile bewegen. Zudem verspricht Lactalis der Genossenschaft, künftig die Markenpolitik von Yoplait mitgestalten zu dürfen.

Das Gebot bewertet Yoplait mit dem Zehnfachen des Betriebsgewinns. Das Yoplait-Management glaubt dagegen, Yoplait sei mehr wert, nämlich 1,5 Mrd. Euro und damit das 12,5-Fache des Ebitda.

Nach Angaben aus Branchenkreisen könnten andere Interessenten die Pläne von Lactalis durchkreuzen und einen Bieterkampf entfachen. Analysten zufolge käme der amerikanische Konzern General Mills dafür infrage, der die Yoplait-Markenrechte in Nordamerika besitzt, sowie Nestle und Bright Food aus China.

Bright Food ist der größte chinesische Lebensmittelkonzern. Das Unternehmen will in Europa expandieren und hat sich zuletzt für den britischen Konkurrenten United Biscuits interessiert. Nach Angaben aus der Branche hat Bright Food aber inzwischen das Interesse an dem britischen Kekshersteller verloren und sucht andere Zukaufmöglichkeiten.

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