Ladestationen für E-Autos

Autobauer und Versorger jagen Tesla

Eine Ladeleistung von 350 Kilowatt, „volltanken“ in zehn Minuten: Ein Konsortium aus Autobauern und Energieversorgern plant eigene Ladesäulen für E-Autos. Der Vorstoß setzt Elektroautopionier Tesla unter Druck.
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Ein Konsortium aus europäischen Autobauern und Energieversorgern plant den Aufbau eigener Ladestationen für Elektroautos im großen Stil. Quelle: dpa
Ladesäule

Ein Konsortium aus europäischen Autobauern und Energieversorgern plant den Aufbau eigener Ladestationen für Elektroautos im großen Stil.

(Foto: dpa)

FrankfurtEuropäische Autokonzerne und Versorger wollen in das Geschäft mit Ladestationen groß einsteigen und damit dem Marktführer Tesla Paroli bieten. BMW, Daimler Volkswagen und Ford wollen in diesem Jahr damit beginnen, 400 Ladesäulen einer neuen Generation in Europa aufzustellen, mit denen die Batterie der Elektro-Fahrzeuge deutlich zügiger aufgeladen werden kann.

Dabei befinden sie sich in Gesprächen mit Versorgern und Industriekonzernen, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Darunter seien Eon, die RWE -Tochter Innogy und Siemens. „Das ist eine konzertierte Aktion, um die Infrastrukturfrage richtig anzupacken“, sagte ein Insider. Die Gespräche mit möglichen Partnern seien angelaufen, berichtete ein Sprecher von Ford im Namen des Konsortiums. Es würden wohl mehrere Versorger ins Boot geholt. Namen nannte er nicht.

Eon und Innogy wollen ihre Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität vorantreiben und haben dazu gerade eigene Geschäftsbereiche aufgebaut. Die Versorger können sowohl den Ökostrom für die Ladestationen liefern, die Säulen selbst oder für Stadtwerke und Unternehmen betreiben oder privaten Haushalten die Ladesäulen in die Garage stellen. Trotz des Hypes um das Thema Elektromobilität rät der Portfoliomanager von Union Investment, Thomas Deser, zur Vorsicht: „Der Markt ist betreffend der Wirtschaftlichkeit von Ladestationen noch im Niemandsland“.

Es gebe neben dem kostenlosen Angebot von Tesla mehrere verschiedene Konzepte. „Alle Anbieter unterliegen großen Wettbewerbs-, Kosten- und Technologierisiken“, sagte Deser. Für die Stromversorger gehe es vorläufig eher ums Image als um neue Gewinnquellen.

Diese Firmen setzen die Autobauer unter Strom
Platz 5: GS Yuasa
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Binnen der nächsten neun Jahre ist es denkbar, dass Elektroautos Verbrennern nicht nur bei Beschleunigung und Reichweite Paroli bieten, sondern auch auf der Kostenseite. Die Unternehmensberatung Roland Berger erwartet eine Preisparität ab dem Jahr 2025. Voraussetzung dafür sind aber günstige Batterien. Zellhersteller, wie die japanische Firma GS Yuasa, versuchen daher die Kosten mit allen Mitteln zu drücken. Die Preise für Lithium-Ionen-Zellen müssen rapide fallen – von aktuell etwa 300 Euro auf zumindest 100 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Der wichtigste Kunde von GS Yuasa ist aktuell der Autohersteller Mitsubishi.

Platz 4: BYD
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Chinas führender Zellhersteller drängt so aggressiv wie kaum eine andere Firma aus der Branche direkt in Endmärkte. So ist BYD etwa der weltweit führende Produzent von wiederaufladbaren Akkus, die insbesondere in Mobiltelefonen eingesetzt werden. Darüber hinaus stellen die Chinesen elektronisch betriebene Gabelstapler her. Der Grund: „Der Benefit eines E-Autos kommt über die intensive Nutzung erst richtig zum tragen“, erklärt Thomas Christiansen. Der Energieexperte der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ist überzeugt, dass sich beispielsweise Fahrzeugflotten von Logistikfirmen und Paketzustellern, die ständig in Bewegung sind, mitunter schon heute rechnen. Diese Erkenntnis macht sich BYD zunutze.

Platz 3: Samsung
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Anfang 2015 gelang Samsung ein kleiner Coup: Die Südkoreaner kauften die Batteriesparte des Autozulieferers Magna Steyr. Und schnappten sie damit Apple weg. Der US-Tech-Riese hatte ebenfalls Interesse an der Akkufirma, da Apple daran arbeitet, selbst ein Elektroauto zu bauen. Seit Samsung den Zuschlag bekam, läuft es bei dem Elektronik-Gigant auch bei der Kundschaft in Europa besser.

Platz 2: LG Chem
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Die Chemietochter des südkoreanischen Mischkonzerns LG ist der wahrscheinlich aggressivste Zellhersteller im Markt. Mit Kampfpreisen ergatterte LG Chem in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe neuer Aufträge. Geld verdient die Firma mit ihrer Offensive wohl nicht. Aber darum dürfte es den Südkoreanern zunächst auch gar nicht gehen.

Platz 2: LG Chem
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„Alle großen Zellhersteller haben in der Vergangenheit mit dem Zellgeschäft Verluste gemacht oder an der Nulllinie entlang gewirtschaftet“, sagt Wolfgang Bernhart. Der Automobilexperte der Unternehmensberatung Roland Berger erwartet eine „Konsolidierung des Marktes auf voraussichtlich vier bis fünf große Player“. Nach der Marktbereinigung will LG Chem ganz vorne dabei sein – um dann satte Profite zu erwirtschaften. Der Ingolstädter Autobauer Audi ist etwa einer der Geschäftspartner in Europa.

Platz 1: Panasonic/Sanyo
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Die klare Nummer eins unter den Zellherstellern ist Panasonic. Die Japaner statten die Elektroflitzer des kalifornischen Autoherstellers Tesla mit zylindrischen Batteriezellen aus. Weil sich kein Stromer so gut verkauft, wie das Tesla Model S dürfte Panasonic 2017 auf einen Marktanteil unter den Zellherstellern von rund 40 Prozent kommen.

Platz 1: Panasonic/Sanyo
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Zuletzt haben die Japaner aber einige Aufträge an die südkoreanischen Konkurrenten LG Chem und Samsung verloren. Die Übermacht von Panasonic bröckelt. Auf lange Sicht könnte die Abhängigkeit von Tesla für die Japaner zum Problem werden.

Mehr zu der Jagd nach der Superbatterie lesen Sie hier.

Mit der Bündelung der Kräfte senken die Unternehmen auch ihr Risiko. Die langen Ladezeiten der E-Autos gelten als eines der größten Hindernisse für einen Durchbruch der Technik, lassen sich Verbrennungsmotoren doch in Windeseile volltanken. Lange Strecken lassen sich bei den E-Autos ohne zeitaufwändigen Zwischenstopp nicht bewältigen. Das Konsortium plant Ladestationen mit einer Leistung von 350 Kilowatt, das wäre rund dreimal soviel wie die von Tesla. Doch Tesla-Chef Elon Musk will sich nicht geschlagen geben. Auch 350 Kilowatt seien letztlich noch Kinderkram.

Tesla hat die schnellsten Stationen
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