Längere Arbeitszeiten, weniger Geld
VW durchlöchert den Haustarif

Wollen sich die deutschen VW-Werke die Produktion neuer Modelle sichern, müssen sie Zugeständnisse machen. Nur so hat auch Emden den Zuschlag für einen neuen Mittelklasse-Wagen bekommen.

HB FRANKFURT. Volkswagen hat am Mittwoch angekündigt, ab 2008 ein neues Fahrzeug der oberen Mittelklasse in Emden zu bauen, Projektname „VW CC-Coupe“. Voraussetzung dafür ist ein Sparpaket, dass der Konzern den Mitarbeitern abgerungen hat. Betriebsrat und die IG Metall mussten Einsparungen in Höhe von 80 Millionen Euro akzeptieren. Zwar müssen die Mitarbeiter keine Einbußen beim Grundgehalt hinnehmen, doch verzichten sie auf Pausen und arbeiten zu anderen Zeiten. Dadurch spart VW etwa Schichtzuschläge.

Mit dieser Regelung kommen die Emdener VW-Werker noch glimpflich davon. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte zuletzt den Beschäftigten im Stammwerk Wolfsburg große Lohnzugeständnisse abgerungen und dafür den Zuschlag zum Bau eines unter dem Schlagwort „Marrakesch“ bekannt gewordenen neuen Geländewagens auf Golf-Basis gegeben. Der Wagen wird statt von der teuren Stamm-Belegschaft von der VW-Tochter Auto 5000 produziert. Dort arbeiten die Beschäftigten zu den Konditionen des Flächentarifvertrags - das heißt im Schnitt zu Löhnen 20 Prozent unter dem Haustarif. Zudem müssen sie 35 Stunden in der Woche arbeiten statt 28,8 Stunden wie im VW-Haustarif vorgesehen.

Die Belegschaft, die den Golf-Geländewagen baut, soll sich aus den kommenden beiden Ausbildungsjahrgängen rekrutieren, die eigentlich zu Haustarifbedingungen hätten übernommen werden müssen. Nun werden sie herausgelöst, die Zahl der zum Haustarif Beschäftigten sinkt. Die Auto-5000-Mitarbeiter bauen bereits seit 2001 den Minivan Touran - zu Kosten, die unterm Strich ein Viertel unter den sonst bei VW üblichen liegen.

„Auch unsere deutschen Standorte müssen zu exportfähigen Preisen produzieren. Mit der Vereinbarung in Emden ist ein weiterer Schritt getan, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, frohlockte Wolfgang Bernhard nach der Einigung in Emden. Der als Sanierer von Daimler-Chrysler zu Volkswagen gewechselte Manager will Europas größten Autohersteller mit Kostensenkungen in Milliardenhöhe profitabler machen. Sein stärkstes Druckmittel, um die deutschen VW-Werker auf Linie zu bringen, ist die Drohung, neue Modellreihen im Ausland fertigen zu lassen.

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