Lamborghini-Chef Winkelmann im Interview: „Unsere Kunden fragen nach einem SUV“

Lamborghini-Chef Winkelmann im Interview
„Unsere Kunden fragen nach einem SUV“

Immer noch kein SUV, und keine alternativen Antriebe. Stattdessen setzt die VW-Konzerntochter Lamborghini mit dem Aventador SV auf eine Leichtbauversion des Topmodells. Bleibt es bei der Betonung traditioneller Stärken?
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GenfHandelsblatt: Herr Winkelmann, als Sie im vergangenen Jahr in Paris das Plugin-Hybrid-Konzept Asterion gezeigt haben, dachten fast alle, dass Lamborghini jetzt vernünftig geworden ist. Nach Genf haben Sie nun den Aventador SV mit 750 PS mitgebracht. Haben wir uns geirrt?

Stephan Winkelmann: Selbstverständlich verkaufen wir mit jedem Auto einen Traum, aber wir dürfen auch die Realität nicht aus dem Blick verlieren. Darum arbeiten wir auch daran, mit jeder unserer Neuentwicklungen nicht nur die Leistung zu optimieren, sondern auch das Gewicht zu reduzieren. Wir sind eine exklusive Marke, mit einem außergewöhnlichen, extremen Design. Unsere markante Formensprache, der Motorensound - es ist sind diese Attribute, die Lamborghini so besonders machen.

Wie exklusiv soll der Aventador SV denn werden?

Wir werden sicherlich weniger Fahrzeuge dieses Modells bauen als nachgefragt werden. Mehr als 1.000 werden es sicher nicht.

Im Sinne einer integrierten Strategie arbeiten Sie mit den anderen Konzernmarken zusammen. Gefährdet das nicht ihre Exklusivität?

Natürlich versuchen wir die Stärken der Konzernmarken gemeinsam zu nutzen. Wir bei Lamborghini sind beispielsweise führend bei Leichtbautechnologien mit Einsatz von Carbon. Wir können durch unsere Zugehörigkeit zum Konzern trotz unserer vergleichsweise kleinen Stückzahlen auf eine breite Palette an Qualititätszulieferern und gewisse Vorteile beim Einkauf zurückgreifen.

Porsche-Chef Matthias Müller soll nun als neuer Vorstand die Zusammenarbeit der sportlichen VW-Töchter koordinieren. Was verändert sich dadurch bei Lamborghini?

Wir arbeiten wie gesagt bereits heute eng zusammen. Ich denke nicht, dass personelle Veränderungen daran etwas ändern würden.

Für das Luxussegment werden traumhafte Wachstumsraten von bis zu 40 Prozent in den nächsten Jahren vorausgesagt. Das weckt doch bestimmt Begehrlichkeiten im Konzern…

Diese Wachstumsraten gelten vielleicht für Luxuslimousinen, das Segment der Supersportwagen bleibt relativ konstant. Es drängen sogar immer neue Wettbewerber auf den Markt. Für uns ist das aber positiv – so haben wir den Antrieb, uns immer weiterzuentwickeln.

Im Jahr 2014 haben wir 2.530 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert, das ist ein Rekordjahr gewesen. Erstmal hat auch der Umsatz 600 Millionen Euro überschritten. Für 2015 rechnen wir damit, dieses Ergebnis zu übertreffen.

Es gibt allerdings auch Wachstumssegmente, in denen Lamborghini große Ambitionen nachgesagt werden. Wann kommt das Lamborghini-SUV endlich?

Die Entscheidung liegt hier beim Konzern. Tatsächlich ist das SUV-Segment äußerst interessant. Die Nachfrage von Seiten unserer Kundschaft ist da. Darum verrate ich kein Geheimnis, wenn ich sage: Dort wollen wir auch vertreten sein.

Es heißt, dass Ihr Werk in Sant’Agata gar nicht groß genug wäre, um dort noch ein SUV zu bauen…

Es macht derzeit keinen Sinn, Gerüchte zu kommentieren. Die Produktionsplanung gehen wir an, wenn eine Entscheidung getroffen wurde.

Andere Sportwagenbauer verdienen viel Geld mit Merchandising und Designprodukten. Warum hält Lamborghini sich da noch so zurück? Die Marke hat doch eine hohe Strahlkraft…

Natürlich ist es für uns als Luxusmarke wichtig, auch in anderen Segmenten präsent zu sein. Nicht alle, die von einem Lamborghini träumen, können sich schließlich auch einen Lamborghini kaufen. Wir wollen unseren Fans etwas bieten. Dazu haben wir mit Collezione Automobili Lamborghini unsere eigene Accessoires-und Modekollektion. Gemeinsam mit Mizuno, dem Hersteller anspruchsvoller Laufschuhe zeigen wir hier in Genf einen Lamborghini-Schuh. Aber all das muss zur Marke passen und den Kern der Marke repräsentieren. Unser Kerngeschäft bleibt der Bau von Supersportwagen.

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