Landmaschinen-Messe Agritechnica
Wenn das Navi vor dem Mähdrescher warnt

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Marktführer investiert in Künstliche Intelligenz

„Digitale Vernetzungsangebote tragen dazu bei, die betriebliche Profitabilität signifikant zu steigern“, sagt Bernd Scherer, Geschäftsführer der Landtechniksparte des Maschinenbauverbandes VDMA. „Die Kaufbereitschaft der Landwirte beruht auf einem Effizienzversprechen unserer Industrie und ist technikgetrieben.“

So arbeitet Branchenführer John Deere aus den USA derzeit an neuen Möglichkeiten der Bilderkennung, um Pflanzenschutzmittel viel gezielter als bisher einsetzen zu können. Ziel ist eine Ersparnis von bis zu 90 Prozent. John Deere hat sich dafür mit dem kalifornischen Start-up Blue River verstärkt. Mit Hilfe von Bilderkennungssystemen, Robotertechnologie und künstlicher Intelligenz soll es künftig möglich sein, in Millisekunden zu erkennen, ob eine Pflanze unter Pilzbefall leidet, um sie zu spitzen – oder nicht, wenn sie gesund ist. Das alles in Millisekunden bei laufender Maschine im Spritzeinsatz.

Auch deutsche Anbieter wie der Bodenbearbeitungsspezialist Amazone aus der Nähe von Osnabrück arbeiten an solchen Systemen: „Wer hier nicht mit dabei ist, verliert“, sagt Christian Dreyer, Geschäftsführer der inhabergeführten Familienfirma und gleichzeitig Präsident der VDMA Landtechnik.

So hat eine VDMA-Umfrage ergeben, dass bei zwei Drittel aller Entscheidungen für Investitionen in der Landwirtschaft die Digitalisierung die zentrale Rolle spielt. „Ein Großteil der Landwirte setzt sich damit auseinander“, sagt Geschäftsführer Scherer.

Die wirtschaftlichen Voraussetzung sind gut, dass weiter verstärkt in diese Richtung investiert wird. Nach drei flauen Jahren mit niedrigen Preisen und einem drastischen Einbruch des Milchmarktes ziehen die Geschäfte wieder an. Die Zuwachsraten in der Agrartechnik sind derzeit zweistellig, im Gesamtjahr erwartet die Branche ein Produktionsvolumen von 7,6 Milliarden Euro. Das entspräche einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im kommenden Jahr will die Landtechnik noch einmal um vier Prozent zulegen. Die Kapazitätsauslastung erreicht wieder Spitzenwerte, auch weil die Auslandsnachfrage zuletzt deutlich angezogen hat. „Wir erleben seit einigen Monaten auf zahlreichen Märkten ein konjunkturelles Comeback“, sagt Scherer. Nicht unwichtig für die deutsche Agrartechnikindustrie, die eine Exportquote von rund 75 Prozent aufweist.

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