Landrover und Corus Steel belastet
Tata bittet Regierungen um Hilfe

Das indische Industrie-Konglomerat Tata Group steht unter Druck. Vor allem die Sparten Stahl und Auto, die Tata in den vergangenen Jahren durch aufsehenerregende Milliarden-Übernahmen in Europa verstärkt hat, drohen in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Der Konzern baut Stellen ab und bemüht sich um staatliche Hilfen, um durch die Rezession zu kommen.

LONDON/DÜSSELDORF. Sie bauen Stellen ab und bemühen sich um staatliche Hilfen, um durch die Rezession zu kommen. Analysten befürchten, dass sich die finanzielle Lage der beiden Töchter 2009 weiter verschlechtern wird. Konzernchef Ratan Tata hat die Manager seines Imperiums aufgerufen, die Kosten zu senken und weitere Expansionspläne auf Eis zu legen.

Die Tata-Gruppe ist eines der am weitesten verzweigten Konglomerate der Welt. Ihre Geschäfte reichen von IT-Dienstleistungen über Teebeutel bis hin zum Automobilbau. Das Familienunternehmen mit 28 börsennotierten Sparten erwirtschaftet mehr als 50 Mrd. Dollar Umsatz und rund drei Prozent des indischen Bruttoinlandsprodukts. Mit den Käufen des britisch-niederländischen Stahlkonzerns Corus für 13,7 Mrd. Dollar 2006 und Jaguar/Land Rover für 2,3 Mrd. Dollar 2007 demonstrierte es die gewachsene Macht indischer Konzerne auf der internationalen Bühne. Tata erwarb sich dabei als rücksichtsvoller Käufer, der Sozialleistungen und Renten garantierte, den Respekt der europäischen Gewerkschaften.

Durch die Kreditklemme, die sich von Nordamerika und Europa rasch auf die großen Schwellenländer ausweitet, werden die prestigeträchtigen Zukäufe nun aber zu einer Hypothek für die Gruppe. Tata Motors scheiterte im Oktober mit dem Versuch, per Kapitalerhöhung einen Teil der für den britischen Zukauf aufgenommenen Schulden abzulösen. Die Konzernmutter musste drei Viertel der angebotenen 819 Mio. Dollar zeichnen, um ein Scheitern der Kapitalerhöhung zu verhindern. Am Montag griff der Autohersteller zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Er bot der indischen Bevölkerung per Zeitungsanzeige an, Kapitaleinlagen ab 400 Dollar mit einer Verzinsung von elf Prozent zu zeichnen.

Die Analysten der Rating-Agentur Moody’s hatten zuvor die Bonitätsbewertung von Tata Motors um zwei Stufen von Ba2 auf B1 gesenkt. Die Margen des Autoherstellers hätten sich bereits halbiert und stünden weiter unter Druck, urteilen die Moody’s-Analysten. Wegen der hohen kurzfristigen Verschuldung – zwei Mrd. Dollar Brückenkredit werden im Juni 2009 fällig – bleibe der Rating-Ausblick negativ. Tata Motors kämpft auf dem Heimatmarkt mit Absatzeinbrüchen für seine LKW und Kleinwagen. Außerdem musste das Unternehmen wegen militanten Widerstands in Westbengalen seine Fabrik für das 2 500-Dollar-Auto Nano kurzfristig verlegen. Auch Jaguar und Land Rover leiden unter sinkenden Absatzzahlen. Sie haben bereits die britische Regierung um finanzielle Unterstützung gebeten.

Auch die Übernahme von Corus hat Tata überwiegend mit Krediten finanziert. Die Bonität der Corus-Holding Tata Steel UK wird von Moody’s mit Ba3 nur um eine Stufe besser bewertet als Tata Motors. Auch hier ist der Ausblick negativ. Die Analysten befürchten, dass die international sinkende Stahlnachfrage die Margen weiter erodiert und so auch hier das Verhältnis von Schulden zu Gewinnen besorgniserregend hoch wird.

Es rächt sich, dass Tata Steel die akquirierte Corus mit Samthandschuhen angefasst hat. Im Vergleich zu Thyssen-Krupp oder Salzgitter gebe es bei Corus größeren Handlungsbedarf, sagte Alexander Malkwitz von der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney. Darauf reagiert die Tata-Führung nun: Zur Wochenmitte kündigte das Unternehmen Einsparungen in Höhe von 400 Mio. Euro in Europa an. Nach dem Abbau einiger Hundert Arbeitsplätze in Großbritannien sollen 4 600 Mitarbeiter in den Niederlanden kurzarbeiten. Dazu beantragte das Unternehmen Finanzhilfe bei der Regierung in Den Haag. „Wir planen, dies nun auch in Großbritannien zu tun“, sagte Corus-Chef Philippe Varin. Die englischen Hütten gelten im Branchenvergleich als veraltet; die Einschnitte könnten dort also härter ausfallen.

Schon Mitte November hatte Konzernchef Ratan Tata die neue harte Linie vorgegeben. Die operativen Kosten müssten drastisch herunter, warnte er in einer E-Mail an die Führungsriege, aus der Zeitungen zitierten. Gerade Sparten mit großem Auslandsgeschäft stünden vor großen Problemen bei der Kapitalbeschaffung.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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