Landwirtschaft
Traktorgigant AGCO setzt auf Rückkehr des Agrarbooms

Mit Investitionen in China und Russland und einer Produktoffensive in Europa bereitet sich der US-Agrarmaschinenkonzern AGCO mitten in der Krise auf eine Erholung der Landwirtschaft vor. Der Optimismus des Unternehmens steht jedoch im starken Kontrast zur aktuellen Katerstimmung der Branche.

NEW YORK. "Der fundamentale Trend zu höherer Nachfrage nach Lebensmitteln ist trotz der aktuellen Wirtschaftskrise intakt", sagte Martin Richenhagen, deutscher Chef des weltweit drittgrößten Traktorenherstellers mit Sitz in Atlanta. In Deutschland stellt AGCO unter anderem Fendt-Schlepper her. Die Konzentration der öffentlichen Aufmerksamkeit auf die Klagen der Bauern über kollabierte Milch- und Getreidepreise verdeckt seiner Ansicht nach den Blick auf die langfristige Entwicklung. "Die Weltbevölkerung wächst weiter stabil mit 80 Millionen Menschen im Jahr", sagte er. Zudem mache der steigende Wohlstand in Asien einen Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion nötig. "Wir stehen daher kurz vor der Gründung zwei neuer Joint Venture in Russland und dem Aufbau einer Fabrik in China", sagte er.

Der Optimismus Richenhagens steht im starken Kontrast zur aktuellen Katerstimmung der Branche. Im Boom der Jahre 2006 bis 2008 stiegen die Preise für Getreide und andere Agrarrohstoffe in schwindelerregende Höhen. Steigende Preise für Pasta und Milch auch in deutschen Supermärkten dominierten die Schlagzeilen. Der zuvor bei 20 Dollar dahindümpelnde Kurs der AGCO-Aktie schoss Anfang 2008 auf 70 Dollar. Dann kam die Wirtschaftskrise. Die Getreide und Milchpreise brachen zusammen und liegen heute für deutsche Bauern teilweise unter den Herstellungskosten. Die AGCO-Aktie sank auf rund 30 Dollar. "Wie beim Öl war im ganzen Sektor einfach viel Spekulation drin", sagte Richenhagen. Nach einem Rekordjahr 2008 schockierte er die Märkte vor wenigen Tage mit der Prognose, dass der Umsatz 2008 um bis zu 25 Prozent auf 6,4 Mrd. Dollar sinken wird. Zudem baute AGCO rund 20 Prozent der zuvor über 15 500 Stellen ab. Aus den genannten Gründen setzt er auf eine Besserung der Lage, ohne sagen zu können, wie schnell das gehen wird.

Bei den Getreidepreisen macht Richenhagen den Bauern Hoffnung. Nach zwei guten Erntejahren gebe es hohe Lagerbestände. "Die Preise werden sich wieder erholen", sagte er. Die Nachfrage nach Biokraftstoffen und den entsprechenden landwirtschaftlichen Produkten hält er weltweit ebenfalls für steigend. "Die Diskussion um Hybrid- und Elektroantriebe verkennt, dass dafür eine aufwendige Technologie nötig ist", sagte er. Das mache eine weltweit flächendeckende Einführung auf sehr lange Zeit unwahrscheinlich. Bei Milch ist er weniger optimistisch. Insgesamt gehe die Nachfrage wegen veränderter, fettärmerer Ernährungsgewohnheiten zurück. In den USA, wo die Bauern keine Subventionen zu erwarten hätten, sattelten schon viele Farmer um.

AGCO selbst bereitet sich nach Jahren der Aquisitionen mangels verfügbarer Übernahmeziele auf internes Wachstum vor. Spekulationen, der italienische Autokonzern Fiat würde wegen des Einstiegs beim US-Konkurrenten Chrysler seine Landmaschinentochter CNH zum Kauf anbieten, hätten sich zerschlagen, so Richenhagen. Durch den Kauf der Nummer zwei der Branche hätte AGCO den Marktführer John Deere angreifen können.

Auf der Agenda steht nach den Worten des AGCO-Chefs die Gründung eines Traktoren- und eines Mähdrescherwerkes in Russland gemeinsam mit dem Partner CTP. Hier sollen zunächst insgesamt 27 Mio. Dollar investiert werden. Für China habe AGCO sich nach langen Verhandlungen gegen die Rolle als Juniorpartner in einem Staatsbetrieb entschieden. In der Nähe von Schanghai soll bald für 50 Mio. Dollar ein Werk für Mähdrescher, Traktoren und Anstriebsstränge entstehen. Beide Initiativen könnten ausgebaut werden, wenn die Weltkonjunktur wieder richtig anspringe.

Zugleich will AGCO nach der Vervierfachung der jährlichen Entwicklungsaufwendungen seit 2003 nun auch Konkurrenten wie den deutschen Wettbewerber Claas mit neuen Produkten angreifen. Auf der Agritechnika in Hannover sollen dafür im November einige neue Produkte, darunter ein Mähdrescher, vorgestellt werden.

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