Langes Tauziehen um Preis
BAE verkauft Airbus-Anteil an EADS

Der britische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern BAE Systems hat grünes Licht für den Verkauf seines 20-prozentigen Anteils an Airbus gegeben. EADS wird nun für 2,75 Milliarden Euro der Allein-Eigentümer des europäischen Flugzeugbauers. Ursprünglich wollte BAE mit dem Verkauf jedoch deutlich mehr erzielen.

HB LONDON. BAE Systems hatte bereits im April angekündigt, den Anteil an EADS verkaufen zu wollen und eine entsprechende Option gezogen. Die beiden Seiten konnten sich aber nicht auf einen Preis einigen, weshalb die Investmentbank Rothschild als Vermittler beauftragt wurde. Diese bewertete den Anteil mit 2,75 Mrd. Euro deutlich unter den Erwartungen von BAE und Experten. EADS will die Kaufsumme aus seiner mit 5,9 Mrd. Euro gut gefüllten Firmenkasse bar begleichen.

BAE Systems erklärte am Mittwoch, das Direktorium sehe Airbus kurz- bis mittelfristig vor „Herausforderungen“ stehen. BAE gehe davon aus, dass ein erheblicher Aufwand an Zeit und Geld bei Airbus erforderlich sei, „um die Dinge zu lösen, denen Airbus derzeit ausgesetzt ist“. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich BAE auf sein Kerngeschäft Rüstung konzentrieren und mit dem Verkauf zudem verhindern will, hohe Kosten für die Entwicklung neuer Airbus-Modelle mit tragen zu müssen.

Netto werde der Verkauf etwa 1,8 Mrd. Euro in die BAE-Kasse spülen, erklärte das Unternehmen. Bis zu 500 Mill. Pfund sollten die Aktionäre über einen Aktienrückkauf erhalten. BAE hatte erklärt, den Erlös in den Ausbau seines transatlantischen Rüstungsgeschäfts und die Raumfahrt stecken.

Einige Analysten hatten anfangs geschätzt, BAE könne den Anteil für fünf Mrd. Euro verkaufen. Auch BAE hatte auf einen höheren Preis gehofft und deshalb PricewaterhouseCoopers mit einer weiteren Überprüfung des Airbus-Wertes beauftragt. Der Verkaufs-Entscheid vom Mittwoch wurde den Angaben zufolge nach Erörterung dieser Überprüfung getroffen. Die BAE-Aktionäre müssen dem Verkauf noch zustimmen. Wenn sich BAE jetzt gegen das Geschäft entschieden hätte, hätte der Konzern erst im Mai 2007 seine Verkaufsoption ziehen können.

Ein Grund für den eher niedrigen Preis sind die erneuten Lieferverzögerungen des Airbus-Prestigeobjekts A380, die Airbus rund zwei Monate nach Bekanntgabe der BAE-Verkaufsabsichten eingeräumt hatte. Die sich aus den A380-Problemen ergebenden Belastungen für den Mehrheitseigner EADS hatten zu einer deutlichen Minderung des Börsenwerts geführt - und somit auch des Wertes von Airbus. Der französische EADS-Chef Noel Forgeard und Airbus-Chef Gustav Humbert hatten in der Folge ihre Posten räumen müssen. Neben den Problemen mit dem A380 und damit verbundenen Strafzahlungen muss Airbus derzeit auch die Überarbeitung seines neuesten Langstreckenjets A350 XWB stemmen. Nach der Komplettübernahme soll Airbus stärker in den EADS-Konzern integriert werden.

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