Langsamer Abschied vom Luxussegment
Countdown für Jaguar

Die Uhr läuft bei Jaguar. Noch eine Minute bis zur Weltpremiere des Modells XF, meldet eine sonore Stimme. Vor der halbrunden Bühne hat sich längst eine große Zahl Zuschauer versammelt, es wird gedrängelt und geschubst. Der XF, Nachfolger des bei Kunden unbeliebten S-Type, hat eine Menge Vorschusslorbeer bei Designern und in der Fachpresse geerntet.

FRANKFURT. Der Countdown läuft auch für den britischen Traditionsautohersteller. Nach 18 Jahren unter dem Dach von Ford soll die verlustbringende Marke möglichst bald ein neues Zuhause finden. Umso wichtiger, dass der XF den Eindruck erwecken kann, dass die sieben Leben der Raubkatze noch nicht verbraucht sind. Die angestaubte Marke soll sich gegen Konkurrenten wie Mercedes-Benz und BMW behaupten. „Der XF ist wirklich wichtig“, sagte Ford-Chef Allan Mulally Ende August in einem Interview auf den Punkt. Im März 2008 wird der Fünfsitzer mit dem Blechkleid eines Coupés zu Preisen ab 49 370 Euro an den Verkaufsstart gehen. Bereits jetzt kann er bei den Händlern in fünf verschiedenen Modell- und vier verschiedenen Motorvarianten geordert werden.

Mit dem neuen Modell macht die Braut sich hübsch für den Verkauf. Je strahlender Jaguar sich herausputzt, desto höher kann Mulally den Preis treiben. Im Gespräch sind mehrere Anbieter. Zuletzt hieß es in Zeitungsberichten, Fiat führe Gespräche mit der indischen Tata Motors über ein gemeinsames Gebot für Jaguar und Land Rover, das ebenfalls zum Ford-Reich gehört. Branchenkreise gehen davon aus, Fiat wolle später mit einem Minderheitsanteil bei den Briten einsteigen, sollte der indische Konzern mit seinem Gebot erfolgreich sein.

Tata soll die Bücher prüfen, berichtete die „Hindustan Times“ gestern. Bis Ende September werde das indische Unternehmen möglicherweise ein Gebot übermitteln. Demnach wird das Gebot zwischen eine Mrd. und 1,5 Mrd. Dollar liegen.

Mulally, der vor einem Jahr vom US-Flugzeugbauer Boeing zum Autobauer wechselte, will Mittel und Managementkapazitäten auf die Kernmarke konzentrieren und verkauft deshalb nach und nach die in den vergangenen zwei Jahrzehnten eingesammelten europäischen Edelmarken. Ford schrieb im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 12,6 Mrd. Dollar. Zu der Premier Automotive Group genannten Ford-Tochter gehörten ursprünglich Aston Martin, das bereits an eine Investorengruppe verkauft wurde, Jaguar, Land Rover und Volvo. Ob Volvo zum Verkauf kommt, lässt Mulally noch prüfen. Neben Tata hatte auch der indische Konkurrent Mahindra Interesse an Jaguar bekundet. Private-Equity-Firmen wie Cerberus, der der US-Autobauer Chrysler gehört, wurden ebenfalls Ambitionen nachgesagt.

„Ich weiß, dass Jaguar eine glänzende Zukunft hat“, machte Jaguar-Chefin Bibiana Boerio gestern bei der Vorstellung des XF sich und ihrer Mannschaft Mut, begleitet von enthusiastischem Klatschen der versammelten Jaguar-Mitarbeiter. „Wir haben die Marke sorgfältig revitalisiert, setzen auf Qualität statt Quantität und erschließen uns weitere profitable Märkte“, sagte Boerio.

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