Lanxess
Kautschuk-Konzern streicht 1000 Stellen

Seit Tagen brodelte die Gerüchteküche, jetzt bestätigt Lanxess einen neuerlichen Personalabbau. Sechs Prozent der Belegschaft sollen gehen. Ende des Jahres könnte beim Chemiekonzern ein Verlust in den Büchern stehen.
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KölnDer Chemiekonzern Lanxess unterzieht sich einer harten Rosskur und will bis Ende 2016 weltweit 1000 Stellen streichen. Allein in Deutschland sollen etwa 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Insgesamt fallen damit bei Lanxess rund sechs Prozent aller weltweit rund 16.700 Stellen weg. „Es handelt sich bei diesem Stellenabbau um einen harten Einschnitt“, sagte Arbeitsdirektor Rainier van Roessel am Donnerstag.

Neue Wettbewerber, Überkapazitäten und fallende Preise im Markt für synthetischen Kautschuk hatten dem Chemieunternehmen zuletzt arg zugesetzt. Lanxess ist der weltgrößte Produzent von synthetischem Kautschuk für die Auto- und Reifenindustrie.

Der neue Vorstandschef Matthias Zachert, der im April das Ruder bei Lanxess übernahm, leitete bereits eine umfassende Neuausrichtung in die Wege. So wird die Zahl der Sparten verringert, auch im Vorstand gab es bereits Veränderungen. Alle Standorte werden überprüft. Zudem sondiert Lanxess inzwischen Allianzen für einzelne Geschäfte - unter seinem Vorgänger Axel Heitmann war das noch tabu. Zwei Insidern zufolge hatte Lanxess die US-Investmentbank Evercore engagiert, die dem Konzern beratend zur Seite stehen soll.

„Mit der Neuausrichtung schaffen wir die Grundlage dafür, dass Lanxess mittelfristig wieder nachhaltig wachsen kann“, sagte Zachert. Lanxess will mit dem Stellenabbau ab Ende 2016 jährlich 150 Millionen Euro einsparen - 20 Millionen Euro sollen es bereits in diesem Jahr sein. Kosten soll er bis Ende 2016 insgesamt 150 Millionen Euro - davon etwa 100 Millionen Euro bereits in diesem Jahr.

Im dritten Quartal bauten die Kölner ihren um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) um 12,3 Prozent auf 210 Millionen Euro aus. Lanxess profitierte von einer höheren Auslastung seiner Anlagen und dem Wegfall von Abschreibungen auf Vorräte. Auch Einsparungen in der Verwaltung trugen dazu bei. Der Umsatz von Juli bis September lag mit 2,04 Milliarden Euro annähernd auf Vorjahresniveau.

Der Überschuss hat sich hingegen auf 35 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Für das Gesamtjahr 2014 stellte Zachert wie bisher einen bereinigten operativen Gewinn von 780 bis 820 Millionen Euro in Aussicht nach rund 735 Millionen Euro im Vorjahr.

Unter dem Strich stimmt Lanxess eine Investoren aber auf einen möglichen Verlust ein. „Wir werden rote Zahlen schreiben. Das möchte ich ihnen heute schon für den Jahresabschluss andeuten“, sagte Lanxess-Chef Zachert am Donnerstag in Köln. Er fügte später relativierend hinzu: „Für das Gesamtjahr wird es Spitz auf Knopf sein.“ Im vierten Quartal werde Lanxess auf jeden Fall einen Verlust ausweisen. Zur Ergebniserwartung für das kommende Jahr wollte sich Zachert nicht äußern.

Zudem kündigte der Lanxess-Chef an, dass der Konzern über mögliche Allianzen für einzelne Geschäfte frühestens wenn überhaupt erst im zweiten Halbjahr 2015 informieren werde. Es gebe aber bereits Kontaktaufnahmen. Anders als unter seinem Vorgänger an der Konzernspitze, zeigt sich Lanxess inzwischen offen für Gemeinschaftsunternehmen und Partnerschaften. Für seinen Geschäftsbereich Advanced Intermediates will Lanxess nach 2016 auch Übernahmen prüfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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