Lanxess und Bayer
Wettkampf am Rande Kölns

Lanxess, ehemals die Chemie-Sparte von Bayer, hat es schwer, sich gegen den riesigen Nachbarn in Leverkusen zu behaupten. Zu sehr bestimmt der ehemalige Mutterkonzern das Bild der Stadt. Dabei prangt Bayers berühmtestes Wahrzeichen ausgerechnet auf einen Lanxess-Grundstück.

LEVERKUSEN. Lokaltermin in Leverkusen: Am Fuße der einstigen Konzernzentrale des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer wird ein 140 Meter hoher Kran aufgebaut. Das 122 Meter hohe Haus, einst Schaltzentrale des Konzerns, ist entkernt, 385 Tonnen Möbel, 5000 Leuchtstoffröhren, 800 Kubikmeter Trockenbauwände, 1000 Tonnen Stahlschrott und 15 Tonnen Glas wurden entsorgt. Jetzt soll noch die Hülle entfernt werden. Obwohl das Gebäude nach dem Bau der neuen, hochmodernen Konzernzentrale am Fuße des Hochhauses eigentlich überflüssig ist, soll es nicht ganz abgerissen werden. Die schweren Stahlträger und der Rohbeton sollen das Gerüst für eine neue Leuchtreklame bilden - "wohl die größte der Welt", wie der Bauleiter vorsichtig formuliert. Auf einer Breite von 69 Metern und 19 Metern an der schmalen Seite, alles 122 Meter hoch, sollen in etwa einem Jahr 5,6 Millionen Dioden für Bayer werben.

Warum das alles? Die Geschichte beginnt damit, dass der Bayer-Vorstand anno 2004 die Entscheidung traf, sich vom Chemiegeschäft, dem traditionsreichen Kern des Konzerns, zu trennen. Produktion und Handel vor allem mit Fasern, Feinchemie und Kautschukchemikalien lohnten sich aus Sicht des Managements nicht mehr. Viele Bereiche brachten nur schwache Gewinnspannen, einige schrieben rote Zahlen. Die Schulden der Sparte erreichten weit über eine Milliarde Euro.

Dieser Teil des Geschäfts ist unter dem Namen Lanxess flügge geworden. Axel C. Heitmann wurde der Chef dieses neuen Chemiekonzerns mit der über 100jährigen Tradition. Bei allen Anstrengungen um eine bessere Profitabilität ging es ihm von Anfang an auch darum, die alten Wurzeln zu Bayer zu kappen und ein eigenes Profil aufzubauen. Kein einfaches Unterfangen, haben doch beide Unternehmen ihre Stammsitze in Leverkusen, sogar in derselben Straße und sind gerade mal gut einhundert Meter voneinander entfernt.

Da musste sich Heitmanns Kommunikationsabteilung einiges einfallen lassen, um von Anfang an als eigenständiges und selbstbewusstes Unternehmen wahrgenommen zu werden. Schließlich galt jahrzehntelang Leverkusen als Synonym für Bayer, was nicht zuletzt die Fußball-Bundesligamannschaft Bayer Leverkusen Woche für Woche bestätigt.

Und über allem strahlte nach wie vor das Bayer-Kreuz. Doch das steht nicht mehr auf einem Bayer-Gebäude, sondern bei Lanxess. Bevor Bayer nun für sein traditonsreiches Wahrzeichen noch Miete zahlen muss, würde man es lieber abreißen. Der Geistesblitz: Dafür ließe sich das überflüssig gewordene und sanierungsbedürftige Hochhaus umfunktionieren - in die riesige Medienfassade. Dann bräuchte man das Bayer-Kreuz - mit einem Durchmesser von 51 Metern die weltgrößte Leuchtreklame - nicht mehr. Als das Bayer-Produkt Aspirin 100 Jahre alt wurde, hatte man das Hochhaus als riesige Schmerzmittel-Schachtel verkleidet - und positive Resonanz erzielt.

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