Lastwagenbauer
MAN hat einen neuen Chef

Der von einer Schmiergeldaffäre gebeutelte Lkw-Bauer MAN hat seinen bislang kommissarisch amtierenden Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen dauerhaft an die Konzernspitze berufen. Zudem hat das Unternehmen einen vorläufigen Schlussstrich unter die Schmiergeldaffäre gezogen.
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HB MÜNCHEN. Der 54-jährige Manager soll zugleich die Führung des Tochterunternehmens MAN Nutzfahrzeuge als Vorstandssprecher und Arbeitsdirektor übernehmen, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Außerdem habe der Aufsichtsrat Klaus Stahlmann und Frank H. Lutz als stellvertretende Vorstände in den Vorstand der MAN SE bestellt, Lutz für den Bereich Finanzen. Die Töchter MAN Diesel und MAN Turbo werden der Mitteilung zufolge Anfang 2010 zur MAN Diesel & Turbo SE fusioniert, die dann Stahlmann führen soll. Zwei Manager der Turbo-Sparte träten zurück, hieß es.

Den langjährigen MAN-Chef Hakan Samuelsson hatte die Schmiergeldaffäre im November überraschend den Job gekostet. Der Schwede hatte die politische Verantwortung für den Skandal bei dem Münchener Konzern übernommen. MAN ist am Donnerstag von der Münchener Justiz wegen der Affäre zu einer Geldbuße von insgesamt 150 Mio. Euro verdonnert worden. MAN verzichtete auf Rechtsmittel, weshalb die Ermittlungen sieben Monate nach Bekanntwerden des Skandals beendet sind. Auch intern sind die Untersuchungen abgeschlossen, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Die verdächtigen Zahlungen beliefen sich diesen Prüfungen zufolge auf 51,6 Mio. Euro.

Am Freitag hat der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern einen vorläufigen Schlussstrich unter die Schmiergeldaffäre gezogen. Die mit der internen Prüfung der Vorgänge beauftragten Anwälte legten dem Aufsichtsrat ihren Abschlussbericht vor. Rund 80 Verdachtsfälle seien an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. 20 Mitarbeiter müssen wegen der Korruptionsvorwürfe ihren Hut nehmen. Es werde geprüft, ob gegen einzelne Schadenersatz geltend gemacht wird.

Der Aufsichtsrat akzeptierte außerdem die am Donnerstag erlassenen Bußgeldbescheide. Außerdem muss MAN rund 20 Mio. Euro Steuern nachzahlen, die Ausgaben für die internen Ermittlungen liegen bei etwa 50 Mio. Euro. Bisher sind damit Kosten in Höhe von 220 Mio. Euro für die Aufarbeitung der Affäre aufgelaufen. Die Schmiergeldaffäre war im Mai ins Rollen gekommen. Vor allem im Lastwagen-Geschäft sollen Verkäufer Bestechungsgelder an Mitarbeiter von Kunden gezahlt haben, um den Verkauf anzukurbeln.

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  • Gesetzesverstöße sind zu ahnden, das ist klar. Erstaunlich ist allerdings schon, daß es damit Personen trifft, die wie auch immer "im Auftrag" ihres Untenehmens, ihres Arbeitgebers handelten. Sie haben mit "hilfreichen" Zahlungen nicht unerhebliche Aufträge hereingeholt, damit Arbeitsplätze gesichert und natürlich auch unmittelbar wie mittelbar Steuerzahlungen generiert. Es wäre einmal interessant, diese Zahlen zu eruieren. im übrigen könnte man sich auch die Frage stellen, ob nicht diejenigen Personen straffrei ausgehen sollten, die nicht (auch) in die eigene Tasche geirtschaftet haben, sondern nur zu Gunsten ihres Unternehmens. Dies träfe neben den MAN-Managern sicher auch auf Siemens und viele andere deutsche Unternehmen/Unternehmer zu, die sich nur auf diese Weise Aufträge sichern konnten. Die Wettbewerber handeln ja ähnlich. Die Absurdität, die verhängten Strafzahlungen an den jeweiligen Auftragwerten zu orientiern, zeigt sich darüber hinaus auch in folgendem: Wartungsverträge, Ersatzteillieferungen etc, die erst in der Zukunft wirksam werden (und wiederum Arbeitplätze sichern ...) sind davon nicht erfaßt.

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