Lateinamerika
Wettbewerb der Autohersteller wird härter

Mexiko und Brasilien kämpfen um die Vorherrschaft in der Autoproduktion Lateinamerikas. Die Länder liefern sich dabei einen handelspolitischen Schlagabtausch. Und nun mischen auch noch die Chinesen mit.
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Sao PauloBrasilien und Mexiko kämpfen um die Investitionen der internationalen Autobauer. Mexiko ist der wichtigste Exporteur von Fahrzeugen für die USA. Brasilien will an den Glanz alter Zeiten anknüpfen und wieder ein international bedeutender Autoexporteur werden. Der Weg dahin geht vor allem zulasten von Mexiko: Brasilien will ihm unter anderem die Rolle als US-Autolieferanten streitig machen.

Anfang März verschärfte die Regierung in Brasilia das Freihandelsabkommen für Pkws mit Mexiko. Zähneknirschend akzeptierte das mittelamerikanische Land, seine Pkw-Ausfuhren nach Brasilien auf dem Durchschnittswert der vergangenen drei Jahre einzufrieren. Darüber hinaus fällt jetzt für alle Autoimporte ein zusätzlicher Zoll von 35 Prozent an. Vom Nachfrageboom in Brasilien, dem bereits viertgrößten Automarkt der Welt, sind die Autobauer in Mexiko nun abgekoppelt.

Für die Autoproduzenten in Mexiko - wie Volkswagen, Ford und Nissan - war das ein herber Schlag. In den vergangenen zwei Jahren verkauften sie immer mehr Fahrzeuge ins boomende Südamerika, während die Exporte in die krisengeschüttelten USA weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Im vergangenen Jahr hatten die Hersteller ihre Exporte allein nach Brasilien auf zwei Milliarden Dollar fast verdoppelt.

Auch andere Konzerne beobachten das diplomatische Gerangel ganz genau, weil sie ihre eigenen Lateinamerika-Strategien entwickeln und auf der Suche nach dem optimalen Produktionsstandort sind. Da kommt der handelspolitische Schlagabtausch zwischen Mexiko und Brasilien unpassend.

So hat Audi nach langem Überlegen im April verkündet, seinen leichten Geländewagen Q5 in Mexiko zu bauen. Von dort soll er in die USA exportiert werden - und eigentlich auch nach Brasilien. Mit wachsendem Wohlstand werden dort Luxusgeländewagen gerade besonders beliebt. Doch die Exporte nach Brasilien kann Audi mit den hohen Importzöllen jetzt vergessen. Der Q5 hat dort kaum Verkaufschancen.

Auch BMW überlegt, in Südamerika ein Werk zu bauen und verhandelt über einen Standort in Brasilien. Der britisch-indische Produzent Landrover will ebenfalls dorthin, während Nissan und Suzuki bereits dabei sind, neue Fabriken zu bauen. Mercedes, Volvo und Chrysler planen gleichfalls Investitionen.

Die Autobauer des gehobenen Segments lockt einerseits das Marktpotenzial: Unternehmensberater Roland Berger erwartet, dass Brasilien bereits 2015 nach China und den USA der drittwichtigste Markt der Branche ist. Mit einem Fahrzeug auf sechs Einwohner ist Brasilien im Vergleich zu den Industrieländern unterversorgt.

Bis 2026 wird sich die Zahl der Pkw-Verkäufe auf 7,2 Millionen Fahrzeuge mehr als verdoppeln, schätzen die Unternehmensberater von KPMG. Angesichts der im Vergleich zu Russland, Indien und China hohen Pro-Kopf-Einkommen ist Brasilien einer der attraktivsten Standorte der Branche weltweit geworden - eben auch für die Premiumanbieter, die bisher dort nicht vertreten sind.

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  • "VW Mitarbeiter in China verdienen im Schnitt 600 € im Monat"

    Frage: Kaufkraft von 600 € in China

    RICHTIGE QUELLE!

    http://books.google.de/books?id=CRoU1PzM48sC&lpg=PA33&ots=VgbUFRSLUh&dq=vw%20arbeiter%20kaufkraft%20china&pg=PA33#v=onepage&q=vw%20arbeiter%20kaufkraft%20china&f=false

  • Ich warne ausdrücklich vor Guru / SEKTen-Fianzierung auf dem Umweg von Kindsunterhalt!

    http://www.reiki.dynip.name
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  • Ich denke das solch Module wie von Schaeffler könnten sehr gefragt sein, da das Thema Emissionen ohnehin gerade in aller Munde ist.

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