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Laufzeitverlängerung: Versorger wittern Atom-Finte

Längere Laufzeiten für alte Atommeiler schienen nach der Bundestagswahl ausgemachte Sache zu sein. Doch die Verhandlungen zwischen Regierung und Energiekonzernen drohen zur Hängepartie zu werden. Die Stromkonzerne fürchten einen zu hohen politischen Preis.

Rotes Licht für Atomkraftwerke: Längere Laufzeiten könnten die Stromkonzern teuer zu stehen kommen. Quelle: ap
Rotes Licht für Atomkraftwerke: Längere Laufzeiten könnten die Stromkonzern teuer zu stehen kommen. Quelle: ap

DÜSSELDORF/BERLIN. In der Energiebranche herrscht Katerstimmung. Am Abend der Bundestagswahl im September 2009, knallten in den Vorstandsetagen von Eon, RWE, Energie Baden-Württemberg(EnBW) und Vattenfall Europe noch die Champagnerkorken. Mit dem Wahlsieg von Union und FDP schien die rasche Abkehr vom Atomausstieg beschlossen, eine deutliche Verlängerung der Reaktor-Laufzeiten galt als ausgemacht.

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Inzwischen hat das große Zittern begonnen. Die Gegner laufen zu alter Form auf und mobilisieren am Wochenende eine 120 Kilometer lange Menschenkette zwischen den norddeutschen Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel. Und Vertreter der Koalition stellen als Gegenleistung immer neue Forderungen. Mit bangem Blick schauen die Manager der Energiekonzerne bereits auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai: Wie verlässlich sind die Versprechen der Union, wenn sie im bevölkerungreichsten Bundesland mit den Grünen koalieren muss?

"Wenn es betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, wird wohl keiner ein Kernkraftwerk weiter betreiben. Dies gilt auch für uns", stellt EnBW-Chef Hans-Peter Villis im Gespräch mit dem Handelsblatt fest. In diesem Fall müsse Neckarwestheim 1 abgeschaltet werden. Auch RWE-Chef Jürgen Großmann warnte gestern, es werde keine Lösung um jeden Preis geben: "Wenn es ökonomisch für uns keinen Sinn macht, dann kann es eine Vereinbarung mit uns nicht geben."

RWE und EnBW sind mit ihren Reaktoren Biblis A und Neckarwestheim 1 besonders von der Hängepartie betroffen. Beide Kraftwerke haben die Strommengen, die sie nach der im Juni 2000 von der Branche mit der damaligen rot-grünen Bundesregierung ausgehandelten Ausstiegsvereinbarung produzieren dürfen, fast erzeugt. Beide Anlagen sind auf Minimalbetrieb gedrosselt, um einige Monate Zeit zu gewinnen.

Ob sich das Spiel auf Zeit lohnt, ist unklarer denn je. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) macht aus seinen Vorbehalten keinen Hehl. Er misst der Kernenergie nur die Rolle einer Brückentechnologie bei. Die Brücke, die ihm vorschwebt, ist kurz: "Die Kernkraftwerke sind auf 40 Jahre ausgelegt", sagt er. Das entspricht gegenüber der Regellaufzeit von 32 Jahren einer Verlängerung von acht Jahren.

Für das energiepolitische Gesamtkonzept, das die Bundesregierung im Herbst vorstellen will, wollte Röttgen ursprünglich mit Verlängerungszeit von vier, sechs und acht Jahren rechnen lassen. Auf Druck des Wirtschaftsflügels in der Union wurde daraus zwar nichts: Er setzte durch, dass mit bis zu 28 Jahren gerechnet wird. Der Streit zeigt aber, dass auch in der schwarz-gelben Koalition der "Ausstieg aus dem Ausstieg" umstritten ist. Nicht umstritten ist dagegen, dass die Branche auf jeden Fall einen hohen Preis bezahlen müsste.

  • 03.05.2010, 16:51 UhrAnonymer Benutzer: Investorix

    "Angstideologie", "Angsttrompeter", "die die ganze Welt mit abstrusen Untergangsszenarien in den Griff bekommen wollen"?

    Aber nein, so ein Humbug! Wie kommen Sie darauf, Herr Dr. Hug?

    Die möglichen Folgen werden nur einfach zu groß. Und was passiert, wenn Leute mehr Sch..... anrühren, als sie selbst auslöffeln können, das sieht man an der laufenden bankenkrise und jetzt -ganz aktuell- wieder an Griechenland. (Da geht es "nur" um unser Geld, noch nicht um unser Leben und unsere Zukunft.)

    Die zweite Frage habe ich zuständigkeitshalber weitergegeben:

    Frage an Radio Eriwan : "ist in mehreren hundert Metern unter der Erdoberfläche gelagerter Atommüll schädlich?"
    Antwort von Radio Eriwan: "im Prinzip nein, aber er bleibt nicht die nächsten hunderttausend Jahre dort!"

    Und zur letzten Frage: Ja, ich werde mich sicherer fühlen, wenn alle AKW's in Deutschland abgeschaltet sind. Und noch sicherer, wenn alle AKW's weltweit abgeschaltet sein werden.

  • 29.04.2010, 13:48 UhrAnonymer Benutzer: yahel

    @ investorix (19)

    „Zwei grundsätzliche Probleme bleiben doch bei der Atomkraftnutzung:“

    Es gibt nur ein wirkliches Problem im Zusammenhang mit der Nutzung der Kernenergie, es sind diejenigen, die einer Angstideologie das Wort reden und ständig mit dem Finger auf andere zeigen, weil sie mit der Herstellung von ständig verfügbarem Strom Geld verdienen.

    „Das zweite Problem ist der radioaktive Abfall. Die sichere Lagerung über Jahrhunderttausende ist gnadenloser (Selbst)betrug.“

    inwiefern denn? Was ist schädlich an in mehreren hundert Metern unter der Erdoberfläche gelagerten Atommülls? Die darüber liegende Deckschicht strahlt mehr durch natürliche Radioaktivität, als der gelagerte Atommüll.
    Es gibt kein Problem Atommüllagerung, dieses Problem ist ideologisch bedingt und von daran interessierten Kreisen konstruiert.

    „im übrigen bin ich der Meinung, dass alle Atomkraftwerke so bald wie möglich abgeschaltet werden müssen.“

    Und wie sicher fühlen Sie sich dann?

  • 28.04.2010, 10:20 UhrAnonymer Benutzer: Investorix

    Zwei grundsätzliche Probleme bleiben doch bei der Atomkraftnutzung:

    Das erste Problem ist der Mensch selbst. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler und Selbstüberschätzungen, früher oder später, unvermeidlich. Tote im Straßenverkehr, ärztliche Kunstfehler, Finanzkrisen.

    Ein schwerer Störfall bei einem Atomkraftwerk nur alle hunderttausend Jahre (auch das eine menschliche Einschätzung, s.o.)? Wie schnell tausend Jahre vorbei sein können, hat man in der Geschichte doch schon öfters gesehen.

    Und die möglichen Folgen sind nahezu unbegrenzt. Wir spielen "Alles oder Nichts".

    Das zweite Problem ist der radioaktive Abfall. Die sichere Lagerung über Jahrhunderttausende ist gnadenloser (Selbst)betrug. (Etwas von Problem 1 steckt hier auch noch mit drin.)

    Als Ausgleich für diese bedrohungen wird nun (März 2010) eine Abschöpfung eines Teils - vielleicht der Hälfte - der zusätzlichen Gewinne der betreiber (geschätzt 400 - 800 Mio. pro abgeschriebenem und gemäß Atomkonsens abzuschaltendem Alt-AKW und Jahr) für die "Energieforschung" (Wer bekommt das Geld, in welche Richtung wird geforscht und wer darf die Ergebnisse nutzen?) in die Diskussion gebracht.

    Das hört sich ja super an, für 2,50 - 5,00 € pro bundesbürger und Jahr für jedes Alt-Atomkraftwerk sollen wir prinzipiell unbegrenzte Risiken tragen und die büchse der Pandora mit noch mehr Atommüll füllen?

    ich weiß wirklich nicht, was diese Volksvertreter umtreibt und hoffe, dass dieser Wahnsinn jetzt endlich ein Ende findet.

    Es läßt sich doch auch niemand für einen Euro ein paar Tage lang irgendwo auf bahngeleise ketten - selbst wenn die Schienen rostig sind!

    -----

    im übrigen bin ich der Meinung, dass alle Atomkraftwerke so bald wie möglich abgeschaltet werden müssen.

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