LBBW-Studie
Energiewende kostet die Atomkonzerne Milliarden

Deutschlands Stromkonzern müssen sich durch die Energiewende auf Einbußen in Milliardenhöhe einstellen. Eine Studie der LBBW zeigt: Der rasche Atomausstieg belastet die Konzernbilanzen. VON JÜRGEN FLAUGER
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Die von der Bundesregierung beschlossene Wende in der Atompolitik vernichtet bei den Energiekonzernen Werte von bis zu 22 Milliarden Euro. Besonders Eon muss sich auf kräftige Einbußen einstellen. Einen Teil der Verluste in der Atomstromproduktion können die Konzerne aber vermutlich mit ihren Kohle- und Gaskraftwerken wieder wettmachen. Das geht aus einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt und die die Auswirkungen des raschen Atomausstiegs erstmals ausführlich analysiert.

Die Analysten haben unter realistischen Annahmen für Produktionskosten, Strompreise, Auslastung, Steuern und Zinsen in mehreren Szenarien errechnet, mit welchen Nettogewinnen die Unternehmen nach der erst im vergangenen Herbst beschlossenen Laufzeitverlängerung kalkulieren konnten und mit welchen sie jetzt, beim beschleunigten Ausstieg, nur noch rechnen dürfen. In dem die Analysten zukünftige Gewinne abgezinst haben, haben sie daraus den gegenwärtige Wert, den Barwert, errechnet.

Im ersten Szenario kalkuliert die LBBW mit einem Anstieg der Strompreise im Großhandel um jährlich drei Prozent. Hier konnten die vier Atomkonzerne Eon, RWE. EnBW und Vattenfall Europe nach der Laufzeitverlängerung mit einem Barwert von bis zu 34,4 Milliarden Euro kalkulieren, weil sie das letzte ihrer 17 Kernkraftwerke erst nach 2035 hätten abschalten müssen.

Beim jetzt beschlossenen Atomausstieg bis 2022 verringert sich der Barwert dramatisch – auf 12,8 Milliarden Euro. Eon müsste einen Wertverlust um 8,6 auf 6,0 Milliarden Euro hinnehmen, RWE um 5,9 auf 2,3 Milliarden. Bliebe der Strompreis konstant, würde sich der Barwert für alle Konzerne von 28,6 auf 11,8 Milliarden Euro verringern.

Die Unternehmen können aber vermutlich einen Teil der Einbußen wettmachen, weil sie mit ihren Gas- und Kohlekraftwerken mehr verdienen. Für Eon dürfte aber unter dem Strich auch so ein Wertverlust von über vier Milliarden Euro stehen. Bei Konkurrent RWE, der viele Braunkohlekraftwerke hat, könnte je nach Entwicklung der Strompreise unter dem Strich dagegen sogar ein leichtes Plus stehen.

Kommentare zu " LBBW-Studie: Energiewende kostet die Atomkonzerne Milliarden"

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  • Ja , lieber Handelsblatt_Leser da gebe ich Ihnen recht, Planwirtschaft ist murks.

    Aber was glauben sie was wir in Europa und USA seit der Finanzkrise 2008 haben?
    Einen freien Markt? Ich lach mich tot.

    Bailouts für bankrotte Finanzsysteme? Das hätte sich ein Erich Honecker auch nicht besser ausdenken können.


  • Ich persönlich bin für Kernkraft (technologischer Stand per heute). Allerdings muß auch per "total cost" (life cycle, Endlager, Rückbau) gerechnet werden. Schade übrigens, daß Deutschland aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen ausgestiegen ist (Hanau / Wackersdorf).

    Und, ja: sollte es sich herausstellen, daß der optimale Standort für ein Endlager im Südwesten ist, dann ist dieser zu erkunden.

  • Wenn sie glauben, es sei Aufgabe der Politik, Unternehmen "zu erschaffen", dann empfehle ich ihnen, nach Kuba, China oder Nordkorea auszuwandern. Dort glaubt man das nämlich auch.

    Und kein Energiekonzern geht pleite. Die Kosten des Ausstiegs bezahlen sie und ich und sonst niemand.

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