Lebensmittelbranche
Kraft Foods will Cadbury vernaschen

Der US-Nahrungsmittelhersteller Kraft Foods will den britischen Süßwarenkonzern Cadbury übernehmen, stößt dabei aber auf heftigen Widerstand. Größter Streitpunkt ist der Preis, den die Amerikaner zu zahlen gewillt sind. Es bahnt sich ein heißer Übernahmekampf an.

Der nach Nestlé zweitgrößte Nahrungsmittelproduzent der Welt, Kraft Foods, bietet insgesamt 10,2 Mrd. britische Pfund (11,7 Mrd. Euro) für Cadbury. Das entspricht einem Preis pro Aktie von 745 Pence in bar und eigenen Anteilen – ein Aufschlag von 31 Prozent zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Das Angebot spiegele bei weitem nicht den wahren Wert des Unternehmens wider, sagte Cadbury-Chef Todd Stitzer.

Unterstützung erhielt Stitzer von Analysten. Der von Kraft Foods offerierte Preis sei „viel zu niedrig“, kritisierte etwa Warren Ackerman vom Londoner Brokerhaus Evolution Securities. Er bezifferte den Wert Cadburys auf bis zu 1 200 Pence pro Anteil. Ackerman beruft sich dabei auf den Aufschlag, den der US-Süßwarenkonzern Mars im April 2008 für Wrigley bezahlt hatte. Die Amerikaner hatten zwar nur ein Premium auf den Aktienkurs von 28 Prozent geboten; mit 16 Mrd. Euro bewertete Mars den Kaugummihersteller aber mit gut dem 19,5-fachen des Bruttogewinns (Ebitda). Kraft Foods ist bislang nur bereit, etwa das 13-fache des Ebitdas von Cadbury zu zahlen, das im vergangenen Jahr bei 640 Mio. Pfund (750 Mio. Euro) lag.

Die Investoren spekulieren deshalb darauf, dass Kraft-Foods-Chefin Irene Rosenfeld nachbessern muss: Der Aktienkurs Cadburys schnellte am Montag um fast 40 Prozent nach oben und notierte mit 787 Pence deutlich über der aktuellen Offerte. Rosenfeld warb am Montag noch bei Cadbury-Chairman Roger Carr für eine Vernunftehe der beiden Unternehmen. Sie bezifferte die Höhe der Einsparungen allein im ersten Jahr auf 435 Mio. Euro. Der Cadbury-Vorstand baue aber nach wie vor auf eine Strategie der Selbstständigkeit, hieß es bei den Briten.

Der Hersteller von Cadbury-Schokolade, Stimorol-Kaugummi und Adams-Pfefferminz gilt seit der Trennung von der Schweppes-Getränkesparte und der Konzentration auf das Süßwarengeschäft als idealer Übernahmekandidat. Durch ein Zusammengehen mit den Briten würde Kraft Foods mit einem Umsatz von umgerechnet mehr als 17,5 Mrd. Euro vor Mars zur Nummer eins im weltweiten Geschäft mit Süßigkeiten aufsteigen. Wettbewerber Nestlé (Smarties, Choco-Crossies) würde mit einem Süßwarenumsatz von etwa sieben Mrd. Euro auf Rang drei liegen. Nestlé-Chef Paul Bulcke äußerte sich am Montag nicht zu dem Gerangel seiner Konkurrenten.

Experten halten es für möglich, dass die Schweizer oder der US-Schokoladenhersteller Hershey noch eigene Angebote für Cadbury vorlegen werden und damit einen Bieterwettkampf anzetteln. Evolution Securities beziffert die Wahrscheinlichkeit für eine Gegenofferte auf 30 bis 40 Prozent.

Allerdings gilt Kraft seit geraumer Zeit als idealer Partner für Cadbury. Bereits im Juli beschrieben die Analysten von Panmure Gordon das Unternehmen als perfekte Ergänzung für Kraft, die den Amerikanern Zugang zum wachstumsstarken Kaugummigeschäft und zu den schnell wachsenden Märkten zahlreicher Schwellenländer in Osteuropa, Asien und Lateinamerika bieten würde.

Sollte Kraft das Angebot noch erhöhen, dürfte es dem Management von Cadbury daher schwerfallen, dieses abzulehnen, sagte am Montag ein Londoner Investmentbanker. Zumal der Druck durch kritische Investoren wie Nelson Peltz weiter wächst. Der US-Milliardär hatte Cadbury bereits zur Trennung vom Schweppes-Getränkegeschäft gedrängt. Peltz hält weiter Anteile an Cadbury und zählt auch zu den Aktionären von Kraft Foods.

Eine weitere Schlüsselrolle fällt der amerikanischen Investorenlegende Warren Buffett zu, dessen Investmentgesellschaft Berkshire-Hathaway rund zehn Prozent der Kraft-Foods-Aktien hält. Buffett hatte bereits einen Teil der Übernahme von Wrigley durch Mars finanziert. Der Milliardär hat offensichtlich Geschmack am weitgehend krisenfesten Süßwarengeschäft gefunden.

Möglicherweise macht auch die US-Kartellbehörde Kraft noch einen Strich durch die Rechnung. Analysten befürchteten am Montag zumindest, dass die Wettbewerbshüter über die Bedingungen der Übernahme noch ein gewichtiges Wörtchen mitreden könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%