Lebensmittelhersteller
So kämpft die Branche um ihr Image

Verbraucherkritik und Lebensmittelskandale: Nahrungsmittelhersteller stehen derzeit oft in der Kritik. Die Messe Anuga soll dazu beitragen, den Ruf der Branche zu verbessern - um dann der Billigfalle zu entkommen.

KölnDer Forscher hatte eine Warnung an die versammelten Spitzenmanager mitgebracht: "Wir erleben eine Moralisierung des Essens." Ja, es komme sogar noch schlimmer: "Die Menschen werden in den kommenden Jahren die Lebensmittel immer weiter romantisieren." Was David Bosshart, Chef des Züricher Beratungsinstituts GDI den Lebensmittel-Managern bei der weltgrößten Branchenmesse Anuga in Köln am Wochenende zu sagen hatte, trifft den wundesten Punkt der industrialisierten Nahrungsmittel-Branche: Sie kämpft um ihren guten Ruf.

Heftige Kritik von professionellen Verbraucherschützern und echte Lebensmittelskandale treffen die Versuche von Herstellern und Handel, die im europäischen Vergleich niedrigen Renditen in Deutschland über höhere Preise zu heben. Dazu kommt die steigende Furcht von engagierten Käufern vor globalen Lebensmittelknappheiten. "Wir sollten Teil der Lösung sein, werden aber als Teil des Problems gesehen. Das ist auch unser Versagen", sagte Paul Bulcke, Chef des weltgrößten Lebensmittelherstellers Nestlé, in Köln.

In den vergangenen Monaten ist die Kritik immer lauter geworden. So unterstützt ausgerechnet das Landwirtschaftsministerium die Website Lebensmittelklarheit.de der Verbraucherzentralen, auf der Konsumenten für sie irreführende Werbung ankreiden können. Die Hersteller fürchten ein Tribunal - ähnlich wie die Aktionen der Organisation Foodwatch. Die vom ehemaligen Greenpeace-Chef Thilo Bode gegründete Gruppe greift einzelne Marken heraus, um sie anzuprangern: zu viel Fett und Zucker in der angeblich kinderfreundlichen Milchschnitte, Pilzmittel in Käserinde von Klosterkäse.

Die heftige Kritik führt inzwischen in der Branche zu einem Umdenken. Bislang hatte die Branche bei neuen Kennzeichnungspflichten gebremst - etwa bei den Initiativen von Verbraucherschützern, Produkte mit viel Zucker und Fett mit einer roten Ampel zu kennzeichnen. Das könnte sich ändern. Schließlich heißt es selbst beim Branchenverband BVE, die neueste, eigene GfK-Studie zum Verbrauchervertrauen sei "besorgniserregend". Ende des Jahres wollen mehrere Verbände zusammen eine Informationsoffensive starten - wahrscheinlich zur Verbrauchermesse Grüne Woche in Berlin.

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