Lebensmittelindustrie
Nestlé ist nicht mehr immun gegen die Krise

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, Hersteller von Nespresso, Kit-Kat-Schokoriegeln oder Maggi-Suppen, hat im ersten Halbjahr weniger verdient als im Vergleichzeitraum - jedoch mehr als von Analysten erwartet. Wegen der Stärke des Franken gingen auch die Umsätze zurück.

ZÜRICH. Die weltweite Rezession hat jetzt auch das Wachstum des Nahrungsmittelriesen Nestlé gebremst. Erstmals seit sechs Jahren ging der Reingewinn im ersten Halbjahr zurück und zwar um 2,8 Prozent auf gut fünf Mrd. Franken. Der Umsatz des Konzerns sank um 1,5 Prozent auf 52,5 Mrd. Franken. Die Börse reagierte enttäuscht mit einem Kursverlust von fast vier Prozent, zumal Nestlé vorsichtiger ins zweite Halbjahr geht. Das Unternehmen bekräftigte nicht mehr sein langfristiges Wachstumsziel von mindestens fünf Prozent, sondern geht lediglich davon aus, dass das Wachstumstempo in den nächsten Monaten anziehen wird.

Der Schweizer Konzern reiht sich damit in seine unmittelbaren Konkurrenten ein. Der US-Lebensmittelkonzern Kraft Foods peilt für das Gesamtjahr ein organisches Wachstum von vier Prozent an. Und auch der britisch-niederländische Rivale Unilever meldete zuletzt ein Umsatzwachstum in der gleichen Größenordnung. Lässt man Währungseffekte und andere Sonderfaktoren außen vor, erreichte Nestlé im ersten Halbjahr ein organisches Wachstum von 3,5 Prozent.

Punkten konnte der Schweizer Weltkonzern jedoch in der Profitabilität. Die Gewinnmarge für die Gruppe, gemessen am Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit), verbesserte sich um 30 Basispunkte auf 14,1 Prozent. In der Kernsparte Nahrungsmittel und Getränke stieg die Marge um zehn Basispunkte auf 12,4 Prozent. „Wir beleiben der strategischen Ausrichtung mit Konzentration auf nachhaltiges, langfristiges profitables Wachstum verpflichtet“, sagte Konzernchef Paul Bulcke.

Allerdings läuft längst nicht alles nach dem Geschmack der Nestlé-Manager. Unter Druck steht nach wie vor die Mineralwassersparte mit Spitzenmarken wie Perrier, San Pellegrino und Vittel. Die neue Sparsamkeit der Verbraucher und ökologische Bedenken gegen Wasserflaschen haben den Umsatz der Sparte um fast drei Prozent nach unten gedrückt. Die Wasser-Sparte steuert insgesamt etwa ein Zehntel zum Konzernumsatz bei. Noch nicht rund läuft es auch im Geschäft mit gesunden Nahrungsmitteln (Nutrition).

Das organische Wachstum betrug zwar 1,5 Prozent. Aber die Gewinnmarke sackte aufgrund von Marketingaufwendungen leicht ab. Nestlé setzt große Wachstumshoffnungen in die noch junge Geschäftssparte und hat in Europa und den USA positive Signale vor allem bei Angeboten für Kleinkinder erhalten. Im zweiten Halbjahr erwarten die Schweizer für die gesamte Sparte mehr Rückenwind. Am schnellsten wächst nach wie vor das Geschäft mit dem Nespresso-Kaffee. Das Umsatz lag hier um ein Viertel über dem Vorjahreswert.

Regional bleibt Europa das Sorgenkind des Konzerns. Hier stagnierten im Verkauf von Getränken und Nahrungsmitteln sowohl Umsatz als auch Gewinnmargen. Deutlich besser läuft das Geschäft in Nord- und Südamerika sowie in Asien. In beiden Regionen betrug das Umsatzwachstum rund sechs Prozent.

Verzerrt wird der Vergleich des Konzernergebnisses mit dem Vorjahr durch den Teilverkauf des Augenheilspezialisten Alcon an Novartis. Nestlé reduzierte seinen Anteil in einem ersten Schritt von 77 auf 52 Prozent und kassierte dafür im Juli letzten Jahres rund 10,4 Mrd. Dollar.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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