Lebensmittelpreise
Reiche Ernte für Agrokonzerne

Der Anstieg der Lebensmittelpreise - weltweit und quer durchs Sortiment - schockt die Verbraucher. Aber er kommt einigen Unternehmen zugute, denn die Hauptursache ist die höhere Nachfrage. Damit können sie höhere Preise durchsetzen. Ob sich die Lage bald wieder normalisieren wird, erscheint äußerst zweifelhaft.

DÜSSELDORF. Alfred Ritter ging in der Offensive. Nicht nur die Qualität seiner Schokolade Marke "Ritter Sport" sei gestiegen, sondern vor allem die Preise für "Haselnüsse, Milch oder Kakao". Damit rechtfertigte er am Montag im "Tagesspiegel" einen Preisaufschlag auf die Schokotafel von 20 Prozent. Nebeneffekt: Seine Firma soll in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen zurückfinden.

Die EU-Kommission wischte zuletzt alle Hoffnungen vom Tisch, die Lage könnte sich schon bald wieder normalisieren. "Die Lebensmittelpreise werden kurz- bis mittelfristig wahrscheinlich nicht auf das Niveau vor der Krise zurückfallen", warnte die Brüsseler Behörde vergangene Woche in einem Strategiepapier.

Ginge es nach dem deutschen Bauernverbandspräsidenten Gerd Sonnleitner, müsste sich der deutsche Verbraucher sogar an dauerhaft steigende Lebensmittelpreise gewöhnen. Trotz teilweiser dramatischer Preiserhöhungen bei Molkereiprodukten, Margarine und Gebäck gibt es nach Ansicht von Land- und Lebensmittelwirtschaft einen Nachholbedarf. Denn über Jahre hinweg stiegen die Nahrungsmittelpreise hier zu Lande nur moderat - sie wirkten sogar als Inflationsbremse.

So gibt nach einer Studie von AC Nielsen der deutsche "Otto Normalverbraucher" als Schlusslicht unter allen EU-Konsumenten für seine Ernährung nur rund 80 Prozent des EU-Durchschnitts aus. Von dem boomartigen Preisanstieg im vergangenen Jahr blieb jedoch wenig in den Taschen der Landwirte. Ihre Erzeugerpreise stiegen aufgrund der explosionsartigen Entwicklung der Kosten für Energie, Tierfutter und Düngemittel ebenfalls drastisch. Zu den großen Gewinnern der derzeitigen Entwicklung gehören damit die großen internationalen Agrarhändler wie Archer Daniels Midland (AMD), Bunge, Cargill und Dreyfus. Die Vier, im Branchejargon "ABCD-Gruppe" genannt, kontrollieren nach Schätzung von Branchenexperten rund zwei Drittel des internationalen Handels mit Agrarrohstoffen.

Allein der US-Konzern Cargill steigerte seinen Umsatz innerhalb eines Jahres um 17 Prozent auf zuletzt 88 Mrd. Dollar. Auch deutsche Unternehmen wie Baywa oder Agravis konnten im letzten Jahr zulegen. Sie wurden aber gehemmt durch ihr gleichzeitiges Engagement im Energie- oder Bau-Sektor, in dem sie Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatten.

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