Leichte Erholung
Clariant gewinnt, doch Kraftstrotzen sieht anders aus

Die Reformen greifen, Clariant steigert seine Gewinne und lässt auch die Aktionäre an dem Aufschwung teilhaben. Allerdings hatten Beobachter mehr erwartet, die mittelfristige Prognose ist eher nüchtern.
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ZürichFür den Schweizer Chemiekonzern Clariant zahlt sich der Umbau mit der Ausrichtung auf weniger schwankungsanfällige Sparten langsam aus: Die Geschäfte, die das Unternehmen behalten hat, warfen im Vorjahr deutlich mehr Gewinn ab. Das Unternehmen traut sich wieder Wachstum zu und will die Gewinnspanne steigern. „Nach der Veräußerung mehrerer Geschäftseinheiten verfügt Clariant nun über ein ausgewogenes Portfolio und ist zu einem rentableren, weniger konjunkturabhängigen Akteur in der Spezialchemie geworden“, sagte Konzernchef Hariolf Kottmann am Mittwoch. Teil daran sollen auch die Aktionäre haben: Sie sollen 0,36 Franken Dividende je Aktie erhalten nach 0,33 Franken im Vorjahr.

Clariant hatte im Oktober das Lederchemie-Geschäft an die niederländische Chemiefirma Stahl verkauft und damit die Neuausrichtung abgeschlossen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen die Sparten Textilchemikalien, Papier-Spezialitäten und Emulsionen sowie das Geschäft mit Reinigungschemikalien und Zwischenprodukten veräußert. Ziel von Clariant-Chef Kottmann ist es, den Konzern operativ deutlich rentabler zu machen. Große Änderungen im Portfolio peilt er nun nicht mehr an. „Wir werden mit kleineren, ergänzenden Zukäufen weitermachen und uns auch von kleineren Geschäfte trennen, die nicht in unsere Strategie passen.“

Zu einem Verkauf von ASK Chemicals wollte Kottmann keine Stellung nehmen. Reuters hatte aus Finanz- und Branchenkreisen erfahren, dass Clariant die Veräußerung der gemeinsam mit dem US-Chemiekonzern Ashland betriebenen Firma vorantreibt. Mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge seien noch eine Handvoll Wettbewerber und Beteiligungsgesellschaften im Verkaufsprozess.

Mit den fortgeführten Geschäften verdiente Clariant im Vorjahr 323 Millionen Franken (264 Millionen Euro) – 59 Prozent mehr als 2012. Der Umbau kostete allerdings auch viel Geld. Restrukturierungsaufwendungen, Wertminderungen und Transaktionskosten schlugen mit 104 Millionen Franken zu Buche und unter dem Strich brach der Reingewinn auf nur noch fünf Millionen Franken ein. Den Umsatz steigerte der in Muttenz nahe Basel ansässige Konzern geringfügig auf 6,08 Milliarden Franken.

Dieses Jahr sollen die Verkaufserlöse währungsbereinigt um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag wachsen. Die um Sonderposten bereinigte operative Marge (Ebitda) soll steigen. 2013 waren es 14,1 Prozent. Ab kommendem Jahr peilt Kottmann 16 bis 19 Prozent Marge an, bisher hatte er mehr als 17 Prozent anvisiert. „Die Prognose ist noch immer gültig“, erklärte der Clariant-Chef. „Sie ist bloß präziser und berücksichtigt das sehr volatile Umfeld.“

Die Anleger an der Börse waren vorsichtig: Die Clariant-Aktien verloren 1,5 Prozent auf 17,57 Franken. Nach dem Umbau und der Bereinigung des Geschäftsportfolios müsse Clariant nun beweisen, dass die Margenziele bis 2015 erreichbar seien, urteilten die Analysten der Privatbank Notenstein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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