Leichte Nachbesserung
Bafin billigt Porsches Offerte für VW

Die deutsche Finanzaufsicht hat das Übernahmeangebot Porsches an die VW-Aktionäre grundsätzlich gebilligt. Allerdings gesteht die Behörde den Anteilseignern etwas mehr Geld zu als dies der Sportwagenbauer getan hat.

HB HAMBURG. Nach Abschluss der Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) werden den VW-Aktionären 100,92 je Stamm- und 65,54 Euro je Vorzugsaktie angeboten, wie aus den am Montag von Porsche im Internet veröffentlichten Unterlagen hervorgeht. Der Preis für die Vorzugspapiere liegt damit 9 Cent höher als von Porsche zunächst geplant. Die Offerte gilt bis zum 29. Mai.

Damit ist die Offerte an die übrigen Aktionäre aber nach wie vor zu gering, um diese zum Verkauf in größerer Stückzahl zu motivieren. Am Montag kosteten die VW-Papiere gut 111 Euro. Mit dem jüngsten Kauf von 3,6 Prozent der Stammaktien hatte Porsche die 30-Prozent-Schwelle bei VW überschritten und ist damit gezwungen, ein Übernahmeangebot abzugeben. Die Stuttgarter wollen VW derzeit aber nicht vollständig übernehmen, wie ein Porsche-Sprecher bekräftigte.

Branchenkenner sehen in dem Vorgehen von Porsche einen klugen Schachzug, kann der Sportwagenbauer doch in aller Ruhe seinen Anteil an Volkswagen weiter aufstocken, ohne viel zahlen zu müssen. Das Übernahmeangebot errechnet sich aus den Durchnittskursen der jüngsten Vergangenheit. Nach dem deutschen Aktiengesetz muss Porsche erst wieder Farbe bekennen, wenn der Konzern 50 Prozent der Anteile an VW erreicht.

Porsche hatte im Herbst 2005 das erste große Aktienpaket an dem Wolfsburger Autobauer erworben und seitdem seinen Anteil kontinuierlich ausgebaut. Zweitgrößter Aktionär ist das Land Niedersachsen mit 20,3 Prozent, dass sich von seinem Anteil aber nicht trennen will. Ministerpräsident Christian Wulff hatte vor kurzem sogar in Aussicht gestellt, den Anteil auf 25 Prozent zu erhöhen. Derzeit sei eine voraussichtlich rund 1,15 Mrd. Euro teuer Aufstockung des Landesanteils aber nicht nötig.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will mit der Stärkung des Einflusses nach eigener Aussage vor allem eine Zerschlagung von VW durch Hedgefonds verhindern. Hintergrund ist laut Porsche der erwartete Fall des VW-Gesetzes, das die Stimmrechte eines Aktionärs unabhängig von seinem Anteil auf 20 Prozent begrenzt. Nach dem Wegfall des Gesetzes hätten Porsche und Niedersachsen zusammen einen Anteil von mehr als 50 Prozent an den Stimmrechten und könnten damit Übernahmeversuche abwehren. Zugleich stärkt Porsche mit dem höheren Anteil seine Position gegenüber Niedersachsen. Eine Entscheidung über das aus den 60er Jahren stammende VW-Gesetz wird noch vor der Sommerpause erwartet.

Porsche hält aktuell 30,9 Prozent der Anteile an Europas größten Autobauer. Der Stuttgarter Konzern hatte den Einstieg bei VW auch mit gemeinsamen Vorteilen begründet. Beide Unternehmen kooperieren bei vielen Projekten: Die Geländewagen Cayenne und Touareg wurden gemeinsam konstruiert, die Konzerne arbeiten zusammen an einem Hybridmotor und einer neuen Elektronik, die Karosserie des geplanten Porsche-Viertürers Panamera soll VW in Hannover bauen.

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