Leichtes Wachstum
Stahlbranche schaltet auf Normalmodus

Nach der Krise schwenkt die Stahlkonjunktur zunehmend in den Normalmodus über. Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, rechnet für das kommende Jahr mit einem leichten Wachstum.
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DÜSSELDORF. Die deutsche Stahlindustrie hat die Krise abgehakt. "Insgesamt schwenkt die Stahlkonjunktur zunehmend in den Normalmodus über", sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Nach einem kräftigen Plus in diesem Jahr rechnet er für das kommende Jahr mit einem leichten Wachstum. Der Industriezweig mit insgesamt 92 000 Mitarbeitern überwindet die Folgen der Wirtschaftsflaute damit schneller als noch im vergangen Jahr erwartet.

Träger des Aufschwungs ist vor allem die Erholung bei den wichtigen Kundengruppen aus dem Fahrzeug- und Maschinenbau. Beide Branchen verbuchen getrieben vom Export hohe Wachstumsraten.

Vor diesem Hintergrund rechnet Kerkhoff mit einem Produktionszuwachs von 35 Prozent auf knapp 44 Mio. Tonnen. Damit hob der Branchenverband seine Prognose leicht an. Der kräftige Zuwachs erklärt sich vor allem durch den Einbruch im Krisenjahr 2009. Mit der Erholung in diesem Jahr gleicht die Stahlbranche diese Delle nun wieder aus.

Auch wenn sich die Lage industrieweit gebessert hat, klagen einige Produzenten noch über Absatzschwierigkeiten. Betroffen sind die Hersteller von Baustahl. Vor allem beim gewerblichen Bau gebe es noch Schwierigkeiten, sagte Kerkhoff. Wegen der Flaute hatten unter anderem die Badischen Stahlwerke im September und Oktober für einige Wochen die Produktion eingestellt.

Über Absatzprobleme bei Baustahl hatte zuletzt auch die Salzgitter AG geklagt. Doch die Niedersachsen machen einen Großteil ihres Umsatz wie Marktführer Thyssen-Krupp mit der Fahrzeugindustrie. Und das Geschäft mit den Autobauern läuft rund. Dies spiegelt sich in der guten Auslastung der Hochöfen wieder. Diese liege bei 83 Prozent und damit über dem weltweiten Durchschnittswert von 72 Prozent, sagte der Verbandschef.

Ungeachtet der Erholung warnte Kerkhoff vor Risiken, die sich belastend niederschlagen könnten. So rollen mit dem massiven Anstieg der Rohstoffpreise zusätzliche Kosten auf die Hüttenbetreiber zu. Seitdem die internationalen Minenkonzerne BHP Billiton, Rio Tinto und Vale die Laufzeiten der Bezugsverträge von Jahres- auf Quartalsbasis umgestellt haben und die Preise an den Spotmarkt gekoppelt haben, müssen die Produzenten doppelt so viel für Kohle und Eisenerz bezahlen. Um die Mehrkosten weiterzugeben, wollten die Stahlfirmen ihre Preise anheben. Dies ist nach Angaben der Marktforscher von MEPS im vierten Quartal nicht gelungen. Weltweit sanken die Preise sogar.

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