Leichtkraftfahrzeuge
Französische Autochen

Wer sie auf der Straße vor sich hat, ist genervt: die so genannten Leichtkraftfahrzeuge. Die winzigen Autos bewegen sich im Schneckentempo vorwärts. Genauso langsam steigen die Verkaufszahlen. Aber: Sie steigen. Ein Werksbesuch bei Hersteller Microcar.

MONTAIGU. Der MC1 neigt sich im Kreisverkehr schwungvoll in die Kurve. „Sie können ruhig mehr Gas geben und auch die Kurven noch forscher angehen“, ermutigt Firmensprecherin Audrey Lebredonchel ihren Testfahrer.

Die Landstraße neben der Zentrale der französischen Firma Microcar, die den MC1 in Montaigu 40 Kilometer südlich von Nantes herstellt, eignet sich für einen kurzen Vollgassprint. Der Zweizylindermotor dröhnt und lässt die 2,8 Meter kurze Karosserie erzittern. Die 5,4 Pferdestärken zerren entschlossen an der Vorderachse. Die grünlich schimmernden Ziffern des digitalen Tachometers vermelden: 63 Kilometer je Stunde.

Ein weißer Kleinlaster eines Handwerkmeisters überholt. Sein Fahrer wirft einen genervten Blick von oben herab auf den Piloten des MC1. „Die Fahrleistungen müssen sie mit denen eines Motorrollers vergleichen“, rechtfertigt sich die Sprecherin.

Äußerlich nimmt der zweisitzige MC1 optische Anleihen beim Renault Twingo mit seiner großen, flach ansteigenden Frontscheibe und den kurzen Fahrzeugüberhängen. Dabei rangiert der MC1 in einer anderen Klasse als Twingo, Polo und Smart, den Daimler-Chrysler-Lenker Dieter Zetsche just in Detroit via Goldman Sachs zum Verkauf angepriesen hat. Der MC1 zählt zur Gattung der so genannten „Leichtkraftfahrzeuge“, die in Frankreich ohne Führerschein gefahren werden dürfen. Auch in Deutschland gelten einigermaßen liberale Regeln. Seit dem 1. Februar 2005 dürfen sogar schon 16-Jährige ein derartiges Vehikel bewegen, wenn sie den neuen Führerschein der Klasse „S“ ablegen.

Dafür ist das Gewicht dieser Autos auf 350 Kilogramm begrenzt, die Motoren dürfen nicht mehr als 5,4 PS leisten. Mit Europas Marktführer Aixam in dieser Sparte, der Nummer zwei Microcar und den Anbietern Ligier, JDM oder Chatenet sind die Franzosen ganz groß im Geschäft mit den kleinen Autos. Die Leichtkraftfahrzeuge, in Frankreich liebevolle „Voiturette“ (Autochen) genannt, sind ein profitables Nischenprodukt im Autobusiness.

Nur zwei Dinge fürchten ihre Hersteller: strengere Führerscheinregeln und – zu schnelles Wachstum. „Wenn die Stückzahlen zu groß werden, kommen die Autokonzerne und machen uns platt“, sagt Antoine Fouchard, stellvertretender Generaldirektor bei Microcar.

Die zweigeschossigen Gebäude der Microcar-Verwaltung liegen direkt neben der mit einer Aluminiumfassade verkleideten Fabrik im Industriegebiet Vendée Sud-Loire, wo die Produktion der Wägelchen weniger von Maschinen dominiert ist als bei den größeren und stärkeren Geschwistern von Renault und Peugeot.

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