Leopard 2 für Saudi-Arabien
Miteigentümer haben Bedenken bei Panzerdeal

Im Aktionärskreis des Waffenkonzerns Krauss-Maffei Wegmann bahnt sich ein Streit ein: Einer der Miteigentümer spricht sich gegen dem geplanten Panzerverkauf an die Saudis aus. Angeblich will Riad mehr als zwei Panzer.
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FrankfurtBurkhart von Braunbehrens ist eine ungewöhnliche Figur. Der Künstler war Teil der 68er-Bewegung und hat sich damals für den Frieden eingesetzt. Zugleich ist der heute 71-Jährige an Krauss-Maffei Wegmann (KMW) beteiligt. Die Waffenschmiede aus Süddeutschland ist federführend beim Bau des Kampfpanzers Leopard 2, für den sich die Machthaber in Saudi-Arabien interessieren.

Braunbehrens machte nun einen unerwarteten Schritt: Öffentlich sprach er sich gegen einen Verkauf des Panzers an die Araber aus. "Ich halte das nicht für verantwortlich", sagte Braunbehrens dem ZDF. Er durchbrach damit eine Mauer des Schweigens. Denn die Eigentümer der Familienfirma treten nur selten öffentlich in Erscheinung, zu einzelnen Aufträgen äußern sie sich nie.

Braunbehrens sah sich aber in der Defensive. Denn neben der breiten Kritik vor allem der Oppositionsparteien schaltete sich eine Berliner Künstlergruppe mit dem Namen "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) ein. Diese prangerte in einer Internetkampagne den Panzerdeal mit den Saudis an und nannte dabei auch die Namen von Familienmitgliedern. Online beigefügt sind auch Details, die Rückschlüsse auf Arbeitsplatz und Wohnorte der Eigner zulassen.

Darunter befindet sich der Name von Burkhart von Braunbehrens. Statt sich einzuigeln, verteidigt sich Braunbehrens in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Produktion von Waffen in Europa finde er zwar gut, schreibt Braunbehrens, der weniger als zehn Prozent von KMW halten soll. "Um diese Produktion auf hohem technologischen Niveau aufrechtzuerhalten, ist Export notwendig, weil der heimische und europäische Markt allein zu klein ist." An die Saudis sollte KMW aber keine Leopards exportieren. Um dies zu verhindern, hat er einen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck geschrieben. Der möge intervenieren.

Bei den Mitaktionären kamen die Äußerungen von Braunbehrens schlecht an. Laut der Künstlergruppe ZPS ist Braunbehrens seinen Posten im Gesellschafterkreis los. Der Verbleib des Rebellen im KMW-Aufsichtsrat wird damit auch fraglich.

Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Es steht viel auf dem Spiel: Saudi-Arabien will schon seit Jahren Panzer in Deutschland kaufen. Erstmals wurde der Wunsch in den 80er-Jahren kundgetan. Aber erst jetzt scheint die Bundesregierung ihm nachkommen zu wollen. Informierten Personen zufolge hat der Bundessicherheitsrat im vergangenen Jahr einer Lieferung grundsätzlich zugestimmt. Die Verträge sind indes nicht unterzeichnet. Dafür spricht auch die jüngste Entwicklung. Hieß es vor einigen Monaten noch, dass die Araber 270 Leopard-Panzer haben wollen, so ist nun von einer erheblich höheren Stückzahl die Rede. Laut der "Bild am Sonntag" will Saudi-Arabien zwischen 600 und 800 Panzer erwerben.

Für KMW wäre dies der größte Auftrag in der Firmengeschichte. Profitieren würde davon auch die Düsseldorfer Rheinmetall AG, die Komponenten für den Leopard 2 liefert. KMW steht mit den geplanten Einsparungen in den europäischen Verteidigungsbudgets unter enormem Druck.

Braunbehrens hat derweil angeboten, über eine eigene Facebook-Seite mit seinen Gegnern zu diskutieren. Angenommen haben die das bisher nicht.

Kommentare zu " Leopard 2 für Saudi-Arabien: Miteigentümer haben Bedenken bei Panzerdeal"

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  • Die geplante Lieferung besteht vor allem aus für den Häuserkampf ausgerüsteten Panzern. Die Freiheitsbewegung in der arabischen Welt wird langfristig auch nicht vor Saudi Arabien halt machen und das dortige Regime benötigt dringend eine schlagkräftige Waffe um einem lybischen Ende vor zu beugen. Die Amerikaner müssen die Unterstützung der saudischen Diktatur mit allen Mitteln fördern, da sonst bei einer Nachfolgeregierung die amerikanische Kontrolle und Ölimporte fraglich werden. Da also die Amerikaner, Deutschen und das Regime von der Lieferung profitieren wird man wohl kaum auf einige zehntausend saudische Tote beim zukünftigen Konflikt Rücksicht nehmen und dieses Problem dann syrisch lösen, nämlich gar nicht.

  • Sie haben sich wahrscheinlich nur verschrieben und ich gehe mal davon aus, dass der Iran gemeint ist und Ihre Aussagen ironisch gemeint sind.

    Richtig ist, dass Saudi Arabien und der Iran durch das Meer getrennt sind und beim Leopard 2 auch mit Tauchhydraulik bei ca. 4 m Wassertiefe Schluss ist. Allerdings hat auch der Zweite Golfkrieg (Erster Irakkrieg) gezeigt, dass Kriege in dieser Region keine Angelegenheit von nur zwei Staaten sind. Zudem sind die Staatsgrenzen auf Landseite nur ca. 250 km voneinander entfernt und vgl. sie hierzu die Ardennenoffensive der Deutschen im 2. Weltkrieg. Somit wäre eine vor allem see- und luftgestützte saudische Verteidigungsstrategie sehr fahrlässig. Die Luftstreitkräfte sind durch amerikanische Exporte die Zweitstärksten im Nahen Osten nach Israel und die Marine ist dank französischer und amerikanischer Ausfuhren auch nicht zu unterschätzen. Seeseitig dürfte die in Bahrain stationierte 5. US-Flotte mit einem Trägerverband (Flugzeugträger + Kampfverband) die Lage für die Saudis auch sicherer gestalten. Somit stellt der Aufwuchs der Landstreitkräfte einen logischen Schritt im Verteidigungskonzept dar um die noch offene landseitige Flanke zu schützen. Eine Aufrüstung im Bereich von Landungsschiffen würde entweder eine Angriffs- bzw. offensive Verteidigungsstrategie vorraussetzen. Die sehe ich allerdings momentan nicht. Insgesamt verhindert die Strategie von Saudi Arabien zum einen eine Kräfteverschiebung hin zum Iran und zum anderen eine zu starke Abhängigkeit von den USA. Das dürfte doch auch für Pazifisten zwei positive Gründe sein. Somit plädiere ich für die Lieferung von Panzern.

  • @MachterhaltBedenkenlos. Der Leo ist der beste Kampfpanzer der Welt (siehe auch N24 Reportage vom 19.06.2012). Wenn ich gegen meine eigene Bevölkerung vorgehen will, dann mache ich das so, wie "rationaler_Betrachter" es sehr gut formuliert hat. Wenn ich dazu Kampfpanzer brauche, dann genügt auch ein älterer und kostengünstigerer T72 von den Russen. Einen Angriffskrieg werden die Saudis auch nicht führen. Warum auch. Den Saudis und ich meine Saudis und nicht die arbeitende Bevölkerung, geht es doch ausgezeichnet. Also warum den Deal nicht machen? Die Amis, Russen, Engländer und Franzosen würden sich nicht so sträuben. Noch einmal den Verweis auf die Wartung und Ersatzteile. Über diese Schiene kann sich D wenigstens etwas Einfluss im Falle eines Vorgehens gegen die eigene Bevölkerung sichern. Ich würde sagen das nutzt wesentlich mehr, als wenn die Bevölkerung dann Amerikanischen oder Russischen Panzern gegenübersteht. Da ist die moralische Grenze doch wesentlich niedriger als bei uns. Natürlich könnten sich die Gegner dieses Deals dann jedenfalls moralisch zurücklehnen und sagen, "Es sind zumindest keine deutschen Panzer". Dass die Bevölkerung durch russische und amerikanische Panzer stirbt, ist dann eben Pech.

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