Letzte Entscheidung beim Bezirksrichter
ABB nimmt vorletzte Hürde im Asbest-Vergleich

Der schweizerisch-schwedische Elektrotechnikkonzern ABB hat wohl die vorletzte Hürde für den angestrebten Asbest-Vergleich in den USA mit einem Volumen von 1,3 Mrd. Dollar genommen.

Reuters NEW YORK/ZÜRICH. Nach Angaben eines mit dem Fall befassten Anwalts, die von ABB bestätigt wurden, genehmigte die zuständige amerikanische Konkursrichterin Judith Fitzgerald am Donnerstag den Vergleich, der darauf basiert, dass das ABB-Tochterunternehmen Combustion Engineering in Konkurs geht und die Erlöse aus dem Verkauf der Firmenaktiva von etwa 800 Mill. Dollar den Grundstock für einen Asbest-Entschädigungsfonds bilden. Den Rest muss ABB selbst beisteuern.

ABB erklärte, das von der Richterin genehmigte Paket entspreche den bereits bekannten Bedingungen wie sie ABB der Öffentlichkeit und den Aktionären bereits mitgeteilt habe. ABB begrüsse die Entscheidung des Gerichts. Nachdem das Verfahren mehr Zeit als erwartet benötigt habe, könne die sorgfältige Prüfung durch die Konkursrichterin die vom Bezirksgericht in Aussicht gestellte rasche Behandlung ermöglichen, hieß es.

Nun kommt das ganze Paket auf das Pult des zuständigen US-Bezirksrichter Alfred Wolin, der das abschließende Urteil über den Vergleich fällen wird. Der Richter dürfte nach Angaben aus Prozesskreisen in der kommenden Woche den Termin für eine so genannte Statuskonferenz mit allen an dem Fall beteiligten Parteien festlegen. Das wäre, so Juristenkreise, ein Hinweis darauf, dass Wolin den Fall bald zu Ende bringen möchte.

Mit dem Abschluss der Vergleiches, der in langen Verhandlungen mit den Anwälten von mehr als 100.000 tatsächlich und potentiell Asbest-Geschädigten ausgehandelt wurde, wäre ABB trotz der hohen Summe von 1,3 Mrd. Dollar eine Last los, die wie ein Damoklesschwert über dem Konzern hängt.

Die Ungewissheit eines schwebenden Verfahrens erwies sich als Hindernis für den angestrebten Verkauf des Konzernbereichs Öl, Gas & Petrochemie (OGP). Den Erlös daraus benötigt ABB zum Abbau seiner Milliarden-Schulden.

Der OGP-Verkauf sollte bis Jahresende über die Bühne sein. Wenn es etwas später werde, dann gehe die Welt aber auch nicht unter, hatte ABB-Konzernchef Jürgen Dormann Ende Juni erklärt. Möglicherweise könne der Konzern, wenn die Konjunktur sich verbessert, für OGP zu einem späteren Zeitpunkt einen etwas höheren Preis erzielen. Die ABB-Aktien sanken am Donnerstag an der Börse marginal um 0,4 Prozent auf 4,49 sfr.

Die ABB-Gesamtverschuldung, die auch auf zahlreiche Übernahmen in den 90-er-Jahren zurückgeht, lag Ende März 2003 bei 8,2 Mrd. Dollar. Bis Jahresende soll sie auf rund 6,5 Mrd. Dollar abgebaut werden. Kürzlich konnte ABB den Bereich Gebäudetechnik in Skandinavien für 233 Millionen Dollar verkaufen.

Die Asbest-Klagen gegen ABB waren ein Erbe aus der Übernahme von Combustion Engineering im Jahr 1990. Die US-Firma hatte früher Heizkessel für Kraftwerke hergestellt und dabei das gesundheitsschädliche Material eingebaut. Der ABB-Konzern, der 1988 aus der Schweizer BBC und der schwedischen Asea AB entstanden ist, verzeichnete 2002 bei einem Umsatz von 18,3 Mrd. Dollar einen Rekordverlust von 787 Mill. Dollar. Im laufenden Jahr will ABB in die Gewinnzone zurückkehren.

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