Letzte Hoffnung BaFin
Keine Hilfe aus Australien für Hochtief

Die australische Übernahmeaufsicht hat den Berufungsantrag des deutschen Bauriesen Hochtief im Kampf gegen einen Kauf durch den spanischen Konzern ACS abgelehnt. Nun bleibt Hochtief die durchaus begründete Hoffnung auf eine Ablehnung der Offerte durch die Finanzafusicht BaFin. Doch auch eine solche Entscheidung würde Risiken bergen.
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reu/mjh/wt/HB ESSEN/MADRID/SYDNEY. Es waren kurze Nächte für Peter Erbacher und Stephan Oppenhoff. Für die Juristen aus der Kanzlei Linklaters galt in den vergangenen Tagen eine Art Kernruhezeit - zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens. In diesen Stunden sollten sie "nach Möglichkeit" weder von Kollegen noch von ACS-Managern gestört werden. Die Anwälte vertreten den spanischen Baukonzern Actividades de Construcción y Servicios (ACS) federführend bei dem Versuch, den deutschen Konkurrenten Hochtief zu übernehmen.

Das 700 Seiten umfassende freiwillige Übernahmeangebot für Hochtief liegt seit dem 11. November bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die bis heute darüber entscheiden muss. Nach Informationen des "Spiegels" steht die BaFin offenbar kurz davor, die freiwillige Offerte abzulehnen. Der Grund sind nach Angaben des Magazins Zweifel an der Finanzierung des Geschäfts.

ACS wurde in Spanien wegen Bilanzfälschung verklagt, zudem geht die Interessenvertretung der spanischen Kleinaktionäre Aemec gegen die bedingte Kapitalerhöhung vor, die eine außerordentliche Hauptversammlung von ACS am 19. November beschlossen hat. Nach Informationen des Handelsblatts geht es bei der Auseinandersetzung mit der BaFin vor allem um die Frage, ob das von der HV genehmigte Kapital als Zahlungsmittel für die Offerte akzeptiert werden kann - da die entsprechenden Aktien physisch noch nicht existieren.

ACS bietet kein Bargeld, sondern 1,6 eigene für eine Hochtief-Aktie. Das Angebot ist für die Aktionäre des größten deutschen Baukonzerns unattraktiv, schließlich liegt es mehr als vier Euro unter dem aktuellen Börsenkurs. Doch das ist Kalkül. Der hochverschuldete Infrastrukturkonzern ACS will im ersten Schritt der angestrebten mehrheitlichen Übernahme von Hochtief seinen bisherigen Anteil von 29,98 Prozent nur leicht auf über 30 Prozent erhöhen. Dazu benötigen die Spanier noch 14 000 Hochtief-Aktien. Nach Ansicht von Börsenexperten könnte ACS diese Papiere auch vom US-Fonds Southeastern Asset Management erwerben, der an beiden Unternehmen mit rund fünf Prozent beteiligt ist.

Sollte die BaFin die freiwillige Offerte jedoch nicht genehmigen, könnte ACS die nötigen Aktien kurzfristig an der Börse erwerben. Das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle würde allerdings ein Pflichtangebot auslösen. Dieses wäre nach Berechnungen des Handelsblatts mit etwa 60,62 Euro je Aktie zwar teurer als die freiwillige Offerte, aber immer noch so unattraktiv, dass wahrscheinlich nur sehr wenige Hochtief-Aktionäre tauschen würden.

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