Letzte Hürde vor der Auslieferung
A 380 nimmt Passagiere an Bord

Vier Monate vor der Aulieferung an Singapore Airlines fliegt die A380 mit Passagieren. Der Zeitplan ist eng, Airbus kann sich weitere Verzögerungen nicht mehr leisten. Ein Großauftrag der Lufthansa winkt.

TOULOUSE/DÜSSELDORF. Am Montagmorgen startete in Toulouse ein A380 mit 474 Passagieren an Bord. In den kommenden Wochen will Airbus mit einer ganzen Serie von Testflügen die Funktionsfähigkeit der Bordsysteme testen. Bis zu 15 Stunden werden die Maschinen in der Luft sein, um den Einsatz unter Realbedingungen zu testen. Die Flüge mit Passagieren sind die letzte Hürde vor der Zulassung durch die Luftfahrtbehörden.

Bislang sind vier Testmaschinen der doppelstöckigen A380 im Einsatz, bei denen nach Angaben von Airbus „alles nach Plan läuft“. Mitgeflogen sind bisher aber nur Wasserkanister, die das Gewicht von über 500 Passagieren simulieren mussten. Bestellt haben den A380 bisher 16 Kunden, 159 Maschinen stehen bei Airbus in den Büchern. Mit Singapore Airlines will bereits Ende des Jahres die erste Fluggesellschaft den Linienbetrieb aufnehmen. Alle weiteren 15 Kunden müssen sich allerdings gedulden: Anfang Juni musste Airbus eingestehen, den Zeitplan für die A380 nicht einhalten zu können, weil die Techniker die Verkabelung der Passagierkabinen nicht in den Griff bekommen. Zurzeit überprüft Airbus die Auslieferungspläne. Am Montag ernannte Airbus-Chef Christian Streiff Mario Heinen zum neuen Programmchef im A380 Projekt.

Klarheit fordert vor allem ein prominenter Großkunde: Die Lufthansa will noch in diesem Jahr über ihre Flottenerneuerung entscheiden. Die Fluggesellschaft plant, ihre Langstreckenflugzeuge zu modernisieren. Zurzeit besteht diese noch aus 30 Boeing-Jumbos und zwei Dutzend vierstrahligen Airbus A 340. Geordert hat die Lufthansa bereits 15 Riesenairbusse A 380, die sie 2008 in Dienst stellen will, wegen der Lieferverzögerungen bei Airbus jetzt wohl erst später bekommt.

Lufthansa ist ein Schlüsselkunde: Als zweitgrößte europäische Fluggesellschaft hätte ein Kauf Signalwirkung für den Rest der Branche. Als weiterer Großkunde dürfte auch British Airways seinen Flugzeugpark in den kommenden Jahren erneuern, die Briten betreiben die größte Flotte von Jumbo-Jets in Europa. „Prinzipiell ist jeder Jumbo-Kunde auch ein Käufer für den A 380“, heißt es in Toulouse.

Sollte Lufthansa weitere A 380 ordern, will Airbus der Kranichlinie günstig einige Maschinen vom Typ A 330 überlassen, um die Lieferverzögerungen auszugleichen, heißt es in Branchenkreisen. Als Konkurrenzmaschine schickt Boeing einen renovierten Jumbo-Jet ins Rennen, doch bislang haben die Amerikaner noch keinen einzige Kunden, der die 747/8 in der Passagierversion kaufen will. Auch für die Kurzstreckenmaschinen hat Airbus bei Lufthansa die Nase vorn. Die Kranichlinie favorisiert den Kauf der A 320, um das Europanetz auszubauen.

Trotz der gestiegenen Anforderungen an die Produktion wird es vorerst keine weiteren Neueinstellungen geben. Airbus-Chef Christian Streiff hat am Wochenende einen Einstellungsstopp für sämtliche Werke angeordnet. „Eine solche Maßnahme ist üblich, wenn ein neuer Chef antritt“, heißt es bei Airbus in Toulouse. Christian Streiff, seit zwei Monaten Chef des europäischen Flugzeugherstellers, setzt sich über die Begehrlichkeiten der Werksleiter hinweg, die seit längerem zusätzliches Personal fordern. Bis Ende September will Streiff erst einmal eine Bestandsaufnahme in der Airbus-Produktion vornehmen. Derzeit schiebt Airbus einen Auftragsbestand von rund 2000 bestellten Maschinen vor sich her.

Während bei Airbus hektisch die Aufräumarbeiten nach der Auslieferungspanne laufen, stellt sich die Muttergesellschaft EADS auf die Übernahme der restlichen Airbus-Anteile ein. In diesen Tagen entscheidet der britische Rüstungskonzern BAE Systems über den Verkauf seines 20-prozentigen Airbus-Anteils. Die Briten haben im April eine Put-Option gegenüber der EADS gezogen. Ein Schiedsverfahren hat den Wert des Anteils auf 2,75 Mrd. Euro festgelegt – weit weniger als die Briten gehofft haben.

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