Liberalisierung der Energiemärkte
Frankreich macht nur formal mit

In Frankreich wird die vollständige Liberalisierung der Energiemärkte ein Nicht-Ereignis werden. Denn vor allem Privatkunden haben überhaupt keinen Anreiz, die staatlich reglementierten Tarife der Ex-Monopolisten EDF (Strom) und GDF (Gas) zu verlassen.

PARIS. Die staatlich reglementierten Tarife der französischen Ex-Monopolisten EDF (Strom) und GDF (Gas) liegen deutlich unter den Marktpreisen. Rund drei Wochen vor der dem Stichtag am 1. Juli lagen dem französischen Betreiber des Stromnetzes EDF Réseau de Distribution daher weniger als 400 Anträge von Privathaushalten vor, den Anbieter zu wechseln. Der Gesamtmarkt umfasst über 27 Millionen Haushalte.

Der Hintergrund: Sowohl EDF als auch GDF haben mit dem Staat einen Vertrag zur Grundversorgung mit Energie abgeschlossen. Bei EDF wurde dieser Vertrag anlässlich des Börsengangs 2005 erneuert, mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Darin verpflichtet sich EDF, den Strompreis für Privathaushalte bis 2010 nicht stärker als die Inflationsrate anzuheben. Mit diesem Vertrag wollte die französische Regierung der Bevölkerung die Furcht nehmen, dass mit der Privatisierung von EDF Preiserhöhungen verbunden sind.

Anders als bei der Liberalisierung der Telekonmärkte hat es in Frankreich nie eine starke Lobby für die Liberalisierung der Energiemärkte gegeben. Ganz im Gegenteil: Gewerbliche Kunden können seit 2004 ihren Anbieter frei wählen. Doch nachdem die Unternehmen die regulierten Tarife verlassen hatten, sahen sie sich Preiserhöhungen von bis zu 60 Prozent im Zuge der weltweiten Verteuerung von Energie ausgesetzt.

Nach intensiver Lobby-Arbeit schuf der Gesetzgeber dann die Möglichkeit für kleinere und mittelgroße Unternehmen, in einen Spezialtarif („Tarif de retour“) nahe dem regulierten Tarif für Privatleute zurückkehren zu können. Den entgangenen Gewinn will der Staat EDF ersetzen. Dieser Tarif sowie die Tatsache, dass Privatleute trotz Marktöffnung weiterhin von staatlich festgelegten Gas- und Strompreisen profitieren, hat nun die EU-Kommission auf den Plan gerufen.

Mit ihren Vorhaben, diese Preis-Bastionen zu schleifen, steht die Kommission in Frankreich indes sehr alleine dar. Denn auch die Verbraucher-Schutzverbände wie Que Choisir, rufen alle Privathaushalte auf, im regulierten Tarif zu bleiben. Denn wer sich einmal für einen Marktpreis entschieden hat, darf nie wieder zurück in die Gemütlichkeit des staatlich festgelegten Strompreises.

Angesichts dieses ziemlich aussichtslosen Umfeldes müssen sich die insgesamt zehn Wettbewerber auf dem französischen Energiemarkt etwas besonderes einfallen lassen, Kunden zum Wechsel zu bewegen. Der Energie-Anbieter Poweo ist der einzige, der überhaupt im großen Stil Werbung vor der bevorstehenden Marktöffnung macht. Poweo lockt mit einer Art Flatrate für den Energieverbrauch. Das Unternehmen Enercoop will gar nicht erst versuchen, die Staatsriesen zu unterbieten, sondern wirbt damit, den Kunden Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien anzubieten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%