Lieferengpässe in der Baumaschinenbranche
Baggerindustrie gehen die Reifen aus

Bagger, Radlader, Baukräne: Die weltweite Nachfrage nach Baumaschinen führt zu ersten Engpässen in der Produktion. Während die Fertigungskapazitäten der Hersteller voll ausgelastet sind, werden jetzt die Zulieferteile knapp.

MÜNCHEN / FRANKFURT. „Reifen über 1,50 Meter sind unser Engpass“, sagt Tsutomu Sakurai, Europachef des japanischen Baumaschinenkonzerns Komatsu. „Wie die Reifenhersteller haben wir die Nachfrage einfach unterschätzt.“

Bagger, Radlader, Baukräne: Die 3 000 Aussteller auf der Bauma in München, der größten Baumaschinenmesse der Welt, können kaum produzieren, was der Markt derzeit bestellt. Christof Kemmann, Vorsitzender des Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen beim Fachverband VDMA fürchtet, dass bald noch Engpässe bei Gussteilen und Motoren auftreten: „Das kann in einzelnen Bereichen zu einer Wachstumsbremse werden“, sagte Kemmann. Und Komatsu-Manager Sakurai klagt: „Nicht der Markt, die Kapazitäten sind das Problem.“

Die Baugeräte-Spezialisten erleben derzeit einen regelrechten Nachfrageboom. So stieg der Gesamtumsatz allein der deutschen Hersteller im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 11,8 Mrd. Euro. Dass die Branche in diesem Jahr nur um sechs Prozent zulegen will, hat vor allem damit zu tun, dass sie nicht genug liefern kann.

Beispiel Liebherr: Zwei Drittel seines Umsatzes macht der Mischkonzern mit Baumaschinen, im vergangenen Jahr legte der Umsatz mit Baggern und Kränen um 23,7 Prozent zu. Weltweit stellte Liebherr 2 500 neue Mitarbeiter ein, 800 davon in Deutschland. Die Masse der neuen Beschäftigten fertigt Baumaschinen. „Unsere Frage ist: Wieviel können wir 2007 ausliefern?“ sagt Liebherr-Geschäftsführer Henning Rapp, der in Kirchdorf und Ehingen derzeit zwei deutsche Werke für Bagger und Krane erweitert. Weil das aber nicht so schnell geht, peilen die Schwaben in diesem Jahr ein vergleichbar bescheidenes Umsatzplus von zehn Prozent an. Rapp ist sich sicher: „Unsere Kapazitäten sind auf Jahre ausgelastet.“

Ein Ende des Booms ist nämlich nicht in Sicht. Dreiviertel der deutschen Baumaschinen gehen mittlerweile in den Export. Außer den USA wächst derzeit die Bauindustrie in allen Weltregionen zum Teil mit zweistelligen Wachstumsraten. Neben den Golfstaaten und China rückt zunehmend Europa in den Mittelpunkt der Bauinvestitionen. Selbst die deutsche Bauindustrie, für mehr als ein Jahrzehnt Hauptleidtragender aller Krisen, legt wieder kräftig zu.

„Wir verdoppeln unsere Kapazitäten“, sagt Martin Lehner Vorstandsmitglied bei Neuson Kramer. Das deutsch-österreichische Unternehmen macht vierzig Prozent seines Umsatzes in Deutschland und hat bereits im vergangenen Jahr seine Erlöse um 30 Prozent auf 262 Mill. Euro gesteigert. Kompakte Bagger und Radlader sind bei der Kundschaft gefragt, die Lieferzeit für manche Modelle beläuft sich auf fast ein Jahr.

Neuson Kramer plant in neuen Dimensionen: Gemeinsam mit dem Münchener Baumaschinenhersteller Wacker ist Anfang des Monats eine Fusion vereinbart worden. Das neue Unternehmen macht fast eine Milliarde Euro Umsatz und soll noch in diesem Jahr an die Börse. Die Partner wollen mit den Kompaktmaschinen auf dem Weltmarkt angreifen. Auch Wacker baut seine Kapazitäten aus: Im hessischen Korbach baut die Konzerntochter Weidemann ein neues Werk für Radlader.

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