Lieferverzögerungen
Nicht nur Airbus rennt die Zeit weg

Von EADS kommen immer neue Hiobsbotschaften. Nach dem A380 und dem A350 muss der Luftfahrt- und Rüstungskonzern jetzt auch Verzögerungen bei der Entwicklung des Militärhubschraubers NH90 und des Transportfliegers A400M eingestehen. Doch mit solchen Patzern sind die Europäer nicht allein. Auch beim Erzrivalen Boeing hakt's.

HB MÜNCHEN/AMSTERDAM/NEW YORK. Die Probleme bei der Flugzeugtochter Airbus haben EADS im ersten Halbjahr einen drastischen Gewinneinbruch beschert. Unter dem Strich schmolz das Konzernergebnis von gut 1 Mrd. Euro Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 71 Mill. Euro zusammen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Amsterdam mitteilte. Belastend wirkten dabei vor allem die hohen Kosten zur Behebung der Probleme beim Prestigeprojekt A380 sowie hohe Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen für das neue Langstreckenflugzeug A350. Die Ergebnisse zeigten die Notwendigkeit für die Sanierung, räumte das Unternehmen ein. Deshalb werde mit Hochdruck an der Umsetzung des Sparprogramms Power 8 gearbeitet, das bereits in allen Bereichen angelaufen sei.

Gleichzeitig musste der Konzern bekannt geben, dass der Erstflug des militärischen Transportflugzeugs A400M von April auf Sommer 2008 verschoben werden müsse. Probleme gibt es dem Vernehmen nach vor allem bei der Aufhängung der Triebwerke. Der Konzern sprach von „bedeutenden Risiken hinsichtlich des Gesamtzeitplans“. Derzeit ließen sich weder die Kosten noch die genauen Verzögerungen endgültig absehen, sagte EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring.

Probleme gibt es auch beim Transporthubschrauber NH90. In die Entwicklung musste EADS zusätzlich 105 Mill. Euro im Halbjahr stecken. Der Zeitplan droht durcheinander zu kommen.

Probleme auch bei Boeing

Die Zeit ist jedoch nicht nur ein Feind von EADS. Auch Konkurrent Boeing, der am Mittwoch seine Zwischenbilanz präsentierte, hinkt hinterher – und das ausgerechnet bei seinem Prestigemodell 787 Dreamliner. Der Erstflug ist um einige Wochen auf Ende September verschoben. Um zumindest die Erstauslieferung im Plan zu halten – Mai 2008 ist der Termin – steckt Boeing jetzt bis zu 500 Mill. Dollar mehr in Forschung und Entwicklung. Probleme bereitet vor allem das Gewicht der Maschine, die nicht wie üblich aus Aluminium, sondern fast gänzlich aus Verbundstoffen gefertigt wird.

Boeing hat bisher für den Dreamliner 683 Festaufträge von 47 Airlines und Leasing-Gessellschaften erteilt bekommen. Die 787 ist damit die erfolgreichste neue Maschine, die Boeing je entwickelt hat. Da kostet jede Verzögerung nicht nur Geld, sondern kratzt auch am Image.



Boeing verdient ein Vielfaches



Boeing ist dennoch optimistisch, im Gesamtjahr ein exzellentes Ergebnis zu erreichen. Der Optimismus stützt sich zu einem großen Teil auf die starke Nachfrage nach den Verkehrsflugzeugen. Im ersten Halbjahr 2007 lieferte der US-Konzern bereits 220 Maschinen aus. Gemessen an der Zahl der Auslieferung sieht es auch bei EADS gut aus: Nach 219 Flugzeugen im Vorjahreszeitraum lieferte Airbus in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 231 Flugzeuge aus und damit mehr als der Erzrivale.

Beim Gewinn sieht die Sache aber ganz anders aus: Boeing verdiente im ersten Halbjahr mit umgerechnet 1,4 Mrd. Euro vier Mal so viel wie noch ein Jahr zuvor. Bei Airbus dagegen brach der Gewinn wegen der Lieferprobleme von 1 Mrd. auf 71 Mill. Euro ein. Und eine wirkliche Besserung im zweiten Halbjahr ist nicht in Sicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%