Linde-Aufsichtsratschef
IG Metall stellt Reitzle in Frage

Die IG Metall kritisiert eine Ankündigung des Linde-Aufsichtsratschef Reitzle. Er würde die Praxair-Fusion gegen den Widerstand der Arbeitnehmervertreter durchsetzen. Nicht nur die Gewerkschaft äußert Bedenken.
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MünchenDie IG Metall Bayern hat Wolfgang Reitzle als Aufsichtsratschef des Gasekonzerns Linde in Frage gestellt. Reitzles Ankündigung, die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair gegen den Widerstand der Linde-Arbeitnehmervertreter durchzusetzen, „ist sehr befremdlich und besorgniserregend“, sagte Landesbezirkschef Jürgen Wechsler am Donnerstag in München. „Mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, ist das Gegenteil von Mitbestimmung. Das sollte Herr Reitzle wissen. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, stellt sich die Frage, ob er der Richtige für Linde ist.“

Die Erfahrung mit fehlgeschlagenen internationalen Zusammenschlüssen beweise, dass die Beschäftigten bei einer Fusion von kulturell sehr unterschiedlichen Unternehmen voll mitziehen müssten. „Dies ist bei Linde nicht gegeben“, sagte Wechsler.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatten vergangene Woche angekündigt, geschlossen gegen die Fusion mit Praxair zu stimmen. Sie fürchten um Arbeitsplätze und die Mitbestimmung auf Konzernebene, wenn der gemeinsame Firmensitz wie geplant ins Ausland verlegt wird. Sie hoffen auf eine Spaltung der Kapitalvertreterseite angesichts des Streits. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die sehr erfahrenen und verdienten Kapitalvertreter im Aufsichtsrat in einer solchen Situation vor den Karren von Herrn Reitzle spannen lassen“, erklärte Wechsler.

Flankenschutz hatten die Gewerkschafter und Betriebsräte aus dem Bundeswirtschaftsministerium und von der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erhalten. Am Donnerstag sprachen sich fünf Münchner Bundestagsabgeordnete gegen eine Verlegung aus. „Neben dem möglichen Wegfall von Arbeitsplätzen geht es auch um den Erhalt von technologischer Spitzenfähigkeit“, erklärten die CSU-Parlamentarier um Johannes Singhammer. „Im Hinblick auf die geplante Linde-Fusion mit anschließender Verlagerung des Firmensitzes stehen wir daher an der Seite der Arbeitnehmer. Ohne deren Zustimmung soll die Fusion nicht vollzogen werden.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Man gewinnt den Eindruck, daß seitens Linde nur Herr Reitzle gewinnt. Letztlich schluckt praktisch Praxair Linde - jedenfalls von außen betrachtet. Das hat Linde nicht verdient. Außerdem brauchen wir deutsche global player.

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