Linde
Finanzierung von BOC kommt voran

Durch den Verkauf der Gabelstapler-Sparte macht Linde bei der Finanzierung des Kaufes des britischen Konkurrenten BOC einen großen Schritt voran. Linde-Chef Wolfgang Reitzle hat für die Übernahme rund zwölf Mrd. Euro eingeplant. Zusätzlich übernimmt Linde knapp drei Mrd. Euro Schulden und Pensionsverpflichtungen.

DÜSSELDORF. Fünf internationale Banken haben dafür eine Zwischenfinanzierung über 15 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Eine Kapitalerhöhung und eine Anleihe hat Linde bereits erfolgreich am Markt platziert und damit knapp drei Mrd. Euro eingenommen. Jetzt kommen weitere rund vier Mrd. Euro durch den Verkauf der Gabelstapler hinzu. Allerdings müssen auf die Summe noch Steuern gezahlt werden.

Mit weiteren Verkäufen könnte Linde noch einmal rund eine Mrd. Euro erhalten. So soll das Komponenten-Geschäft des britischen Tochterunternehmens BOC Edwards mit einem Umsatz von etwa 800 Mill. Euro verkauft werden. Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von Vakuum-Pumpen und von Komponenten für die Halbleiter-Industrie. Für diesen Verkauf hat die Deutsche Bank das Mandat erhalten. Linde will lediglich den Bereich Flüssiggase und Elektronikgase von BOC Edwards behalten.

Wegen der Auflagen der Kartellbehörden, wie etwa dem Verkauf von acht Luftzerlegungsanlagen in den USA, muss Linde ein Geschäft mit einem Umsatzvolumen von rund 340 Mill. Euro in Europa und Amerika abgeben. Auch hier dürfte also noch Geld fließen.

Ende September hatte Linde einen Schuldenstand von 11,6 Mrd. Euro. Auf der Herbstpressekonferenz vor einer Woche sagte Reitzle, Linde wolle so schnell wie möglich unter einen Schuldenstand von zehn Mrd. Euro kommen. Wie bei der Übernahme des schwedischen Industriegase-Konzerns Aga vor einigen Jahren will Linde die Schulden überproportional senken, um das Kreditrating nicht zu gefährden. „Der Schuldenabbau hat Vorrang“, sagte Reitzle.

Durch den Verkauf der Gabelstapler wird Linde zum reinrassigen Anbieter von Industriegasen. Mit einem gemeinsamen Umsatz von rund zwölf Mrd. Euro steigt der aus Linde und BOC geformte Konzern zum Weltmarktführer auf und überholt die bisherige Nummer eins, den französischen Anbieter Air Liquide. Anfang September, als die Übernahme wirksam wurde, hatte Linde ein neues Management präsentiert, dem auch zwei Topmanager aus dem Vorstand der alten BOC angehören. Bis Ende des Jahres soll das neue Organisationsmodell in Kraft treten. Derzeit arbeiten 29 Integrationsteams an der neuen Struktur.

„Wir sind weltweit in 70 Ländern vertreten, in 55 davon die Nummer eins oder zwei unserer Industrie“, sagte Reitzle kürzlich. Gerade die regionale Ergänzung war der Vorteil der neuen Verbindung: Linde hat eine starke Stellung in Europa, BOC ist in den USA und in Asien stark vertreten. Die beiden Konzerne ergänzen sich eher als sie sich überschneiden. Deshalb waren die Auflagen der Wettbewerbsbehörden auch relativ harmlos ausgefallen.

An der Börse wurde der Verkauf der Gabelstapler bereits mit einem Bonus belohnt, obwohl die Trennung allgemein erwartet worden war. Linde war gestern mit einem Kursplus von knapp zwei Prozent einer der Spitzenwerte im Dax. Der Kurs war bereits seit Juni stetig gestiegen. „Durch die Abspaltung der Gabelstapler-Sparte entfällt der sonst übliche Konglomerats-Abschlag für die künftige Linde“, sagte Analystin Silke Stegemann von der Landesbank -Rheinland-Pfalz.

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