Liquiditätsklemme: Thyssen-Krupp muss eisern sparen

Liquiditätsklemme
Thyssen-Krupp muss eisern sparen

Thyssen-Krupp schlittert in eine Liquiditätsklemme. Der weltweite Wirtschaftsabschwung trifft den Mischkonzern mit voller Wucht. Weil nun auch die Kosten für das neue Stahlwerk in Brasilien explodieren, kommen alle Investitionen erneut auf den Prüfstand. Die Unruhe im Konzern wächst.

DÜSSELDORF. Die Stahlsparte, in den zurückliegenden Boomjahren mit Abstand größter Cash-Lieferant des Revierkonzerns, leidet massiv unter dem Einbruch der weltweiten Stahlnachfrage. Zusätzlich setzen die explodierenden Kosten für das neue Stahlwerk in Brasilien den Konzern unter Druck, heißt es aus Management- und Betriebsratskreisen.

Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein. Denn Thyssen-Krupp braucht im Moment jeden Cent, um das ehrgeizige Expansionsprojekt voranzutreiben. Deshalb hat Vorstandschef Ekkehard Schulz die übrigen Konzernsparten Anlagenbau und Werften, Aufzüge sowie technische Dienstleistungen zu einem eisernen Sparkurs verdonnert. Zusätzlich zu den Einsparungen in Höhe von einer Mrd. Euro, die Schulz für das laufende Geschäftsjahr einfordert, verhängte er faktisch einen Investitionsstopp für die übrigen Konzernsparten, heißt es in Unternehmenskreisen. Ein Sprecher von Thyssen-Krupp sagte zu den Informationen: "Alle Projekte werden noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Einen generellen Investitionsstopp gibt es nicht."

"Die von oben verordnete Solidarität kommt bei den Kollegen außerhalb des Stahlbereichs nicht gut an", sagte ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Holding. Ein hochrangiger Manager aus der Industriesparte wird deutlicher: "Ich finde es ein Unding, dass wir unsere geplanten Investitionen stoppen und um ein Jahr verschieben müssen."

Doch es hilft alles nichts. Denn der weltweite Wirtschaftsabschwung trifft den Mischkonzern jetzt mit voller Wucht. Auch Schulz musste auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp vor einer Woche einräumen, dass er einen solch dramatischen Absatzeinbruch in seinen 40 Berufsjahren noch nicht erlebt habe. Nach den Beschäftigten der Stahlsparte werden nun auch die Mitarbeiter im Bereich Thyssen-Edelstahl in Kurzarbeit geschickt.

Bereits im vorigen Geschäftsjahr, das am 30. September 2008 endete, reichten die Mittelzuflüsse von 3,7 Mrd. Euro aus dem operativen Geschäft im Gesamtkonzern nicht aus, um die Investitionen in Höhe von 3,9 Mrd. Euro selbst zu finanzieren. Der Rückkauf eigener Aktien für insgesamt 880 Mio. Euro und die Erhöhung der Dividendenzahlung an die Aktionäre von 489 Mio. auf 635 Mio. Euro verschlimmerte die Liquiditätsklemme zusätzlich. Unter dem Strich flossen 924 Mio. Euro an Liquidität ab. So steht es schwarz auf weiß im Geschäftsbericht von Thyssen-Krupp.

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