Liveblog zur VW-Krise
Auch Mexiko nimmt VW-Fahrzeuge unter die Lupe

In der Affäre um manipulierte US-Abgaswerte droht Volkswagen nun auch Ungemach in Mexiko. Das mexikanische Umweltministerium will prüfen, ob VW auch in Mexiko die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen hat.
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Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück. Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn am Mittwoch in Wolfsburg. Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell.“

+++ Kauder: Skandal wird gesamter Autoindustrie schaden +++

Der Abgas-Skandal wird nach Einschätzung von Unionsfraktionschef Volker Kauder negative Konsequenzen für die gesamte Branche haben. „Ich fürchte, dass die gesamte Automobilindustrie einen Schaden davonträgt, sagte Kauder den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Der Vorfall mache ihn „fassungslos, ergänzte der CDU-Politiker. Sein Wahlkreis liegt in Baden-Württemberg, wo unter anderem mit Daimler und Porsche wichtige Autokonzerne beheimatet sind.

+++ Auch Mexiko nimmt VW-Fahrzeuge unter die Lupe +++
In der Affäre um manipulierte US-Abgaswerte droht Volkswagen nun auch Ungemach in Mexiko. Das mexikanische Umweltministerium kündigte am Mittwoch Untersuchungen an. Die Behörde werde prüfen, ob VW auch in Mexiko bei einigen Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen habe. Umweltminister Rafael Pacchiano sagte, dass das Land bei einem Verstoß VWs handeln werde. Er hoffe, dass dem Ministerium bereits in den kommenden Tagen Ergebnisse der Untersuchungen vorlägen.

+++ Klagen gegen Volkswagen sollen vor US-Bundesgericht landen +++
Ein US-Bundesgericht in Kalifornien soll sich mit den Sammelklagen gegen Volkswagen wegen des Abgas-Skandals befassen. Ein Klägeranwalt beantragte am Mittwoch, mindestens zwei Dutzend Klagen zusammenzufassen und an das Gericht von Bezirksrichter Fernando Olguin zu verweisen. Das Gericht hat Erfahrung mit Klagen gegen Autobauer: Toyota erklärte sich 2012 in einem Vergleich zur Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar bereit, um eine Sammelklage wegen Problemen mit Fußmatten und klemmenden Gaspedalen beizulegen. Hyundai und Kia erklärten sich bereit, 255 Millionen Dollar zu zahlen, weil sie einen zu niedrigen Benzinverbrauch angegeben hatten.

+++ Porsche-Chef Müller Favorit für Winterkorn-Nachfolge +++
Porsche-Chef Matthias Müller ist nach Informationen von Insidern der Favorit des Aufsichtsrats-Präsidiums von Volkswagen als Nachfolger des zurückgetretenen Konzernchefs Martin Winterkorn. In der engen Auswahl seien Müller, Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Markenchef Herbert Diess. „Die größten Chancen hat Müller, weil er schon lange im Konzern ist“, sagte ein Insider am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Als ehemaliger Produktstratege des Konzerns kenne er die gesamte Gruppe der zwölf VW-Marken gut, erklärte eine zweite Person mit Kenntnis der Beratungen. Ein dritter Insider bestätigte diesen Kreis der Kandidaten.

+++ Knapp 40 Sammelklagen in den USA eingereicht +++

Auf Volkswagen rollt einem Medienbericht zufolge eine Flut von Sammelklagen in den USA und Kanada zu. Nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung seien seit vergangenen Freitag 37 solcher Klagen bei US-Gerichten eingereicht worden, weitere zwei in Kanada. Kläger seien zumeist private Autokäufer, in einem Fall auch ein Autohändler. Die Kläger verlangen dem Bericht zufolge Schadensersatz für den Wertverlust ihrer Fahrzeuge und die durch den Rückruf entstehenden Kosten.

+++ Volkswagen erstattet Strafanzeige +++

VW wird wegen des Abgas-Skandals Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig stellen. Das Präsidium des Aufsichtsrates gab nach einer Krisensitzung am Mittwoch entsprechende Pläne bekannt. Wörtlich heißt es in einer Erklärung des Gremiums: „Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden vom Konzern in aller Form unterstützt. Am Wochenende waren manipulierte Abgastests in den USA bekanntgeworden.

+++ Grüne begrüßen den Rücktritt +++

Für die Grünen ist der Rücktritt von Winterkorn ein folgerichtiger Schritt. „Damit hat der VW-Konzern die Chance auf einen Neuanfang. Sein Nachfolger muss beweisen, dass Anspruch und Wirklichkeit bei VW zusammenpassen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer in Berlin. Es könne nicht sein, dass VW in Hochglanzbroschüren von sauberen Autos spreche, aber auf der Straße der Abgasausstoß um ein Vielfaches höher sei.

+++ Aufsichtsrat will nicht vor Freitag über Nachfolger entscheiden +++

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats nimmt Winterkorns Entscheidung „mit großer Betroffenheit“ zur Kenntnis, wie es in einer Erklärung heißt. Die Vorfälle sollten mit aller Entschlossenheit aufgeklärt werden. Winterkorn habe keine Kenntnis der Manipulation von Abgaswerten gehabt. Vorschläge über personelle Neubesetzungen sollen bis zur Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag vorliegen.

+++ Winterkorn tritt zurück +++

Die Erklärung von Winterkorn im Wortlaut:

„Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltes bewusst bin.

Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei. Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.

Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen
Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

+++ Erholung an der Börse +++
Der heftige Kursrutsch der VW-Aktien hat zumindest vorerst ein Ende gefunden. Die Vorzugspapiere, die am Vormittag noch bis auf 95,51 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen waren, erholten sich leicht. Es sind vor allem risikofreudige Anleger, die wieder zugreifen - in der Hoffnung, mit den angeschlagenen Volkswagen-Vorzügen nun ein Schnäppchen zu machen. Am frühen Nachmittag stiegen die Anteilsscheine um 3,44 Prozent auf 109,65 Euro. Seit Wochenbeginn allerdings haben sie immer noch rund ein Drittel an Wert verloren. Anders ausgedrückt: In nicht einmal drei Tagen wurden etwa 23 Milliarden Euro vernichtet.

+++ Kauder sieht schweren Vertrauensverlust +++
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sieht eine Gefahr für den Innovationsstandort Deutschland. „Wir wollen, dass mit offenen Karten gespielt wird. Zur Innovationsfreude eines Landes gehört auch Vertrauen“, sagte Kauder in Berlin. Was in der Automobilindustrie passiert sei, sei ein schwerer Vertrauenslust - „und das könnte für uns durchaus wirtschaftliche Probleme haben“. Auf Sensoren, die merken, wenn ein Auto auf dem Prüfstand steht, könne er gut verzichten, meinte Kauder mit Blick auf manipulierte Abgaswerte bei VW-Dieselautos: „Das ist keine Innovation, die wir brauchen.“

+++ Noch keine Entscheidung über Rückruf +++
Volkswagen hat über eine Rückrufaktion für die von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen noch nicht entschieden – genaue Informationen über die fraglichen Modelle gibt es bisher nicht. „Soweit sind wir noch nicht, wir kennen ja erst seit gestern die Zahl“, sagte ein Konzernsprecher. Der Skandal um manipulierten Messungen bei Dieselfahrzeugen betrifft nach Konzernangaben weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter rief VW auf, alle Autos zurückzurufen und umzurüsten, die mit der Manipulations-Software ausgerüstet sind.

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  • nun überteiben sie mal nicht, ne?

    GM --- 124 Tote, das was groß.


    de facto war der Betrug von VW fast unerheblich, wenn auch stümperhaft bearbeitet. Jeder Buschbrand in Kalifornien erzeugt mio-fach mehr Russ und Feinstaub.

  • Auch ein Walldorfsalatschüler kann einem - wie gesagt menschlich - leid tun.

  • WoPo soll einem leid tun? Wie sagte Hr. Piech mal sinngemäß: ein Waldorfsalat-Schüler. Das sagt alles.

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