LKW-Allianz
MAN fürchtet Hängepartie

Die Großaktionäre haben eine Fusion verhindert: Der deutsche LKW-Hersteller MAN wollte den schwedischen Konkurrenten Scania übernehmen, doch die Anteilseigner – darunter auch Volkswagen – wiesen das Angebot zurück. Seitdem steht eine Allianz der beiden Unternehmen unter Beteiligung von VW im Raum, doch auch dieses Vorhaben droht allmählich zu scheitern.

cha/hst/hz STOCKHOLM/MÜNCHEN. Die geplante LKW-Allianz zwischen MAN, Scania und Volkswagen steckt fest. Nach Informationen aus Branchenkreisen ist frühestens im vierten Quartal dieses Jahres eine Vorentscheidung für die milliardenschwere Zusammenarbeit denkbar. Allerdings gehe es dabei nicht um die von MAN vor fast einem Jahr angestoßene große Fusion; derzeit seien allenfalls einzelne Kooperationsvereinbarungen zwischen den Nutzfahrzeugherstellern denkbar.

MAN-Chef Håkan Samuelsson gab jetzt einen Warnschuss in Richtung Großaktionäre ab. Das Zeitfenster für die Dreierallianz sei begrenzt, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters in Peking. Erstmals warnte damit eine der Schlüsselfiguren indirekt vor einem Scheitern der Gespräche.

Anfang September 2006 waren die Pläne des schwedischen MAN-Chefs, den Konkurrenten Scania zu übernehmen, vorzeitig bekannt geworden. Im Erfolgsfall hätte Samuelsson damit seinen ehemaligen Arbeitgeber gekauft. Er scheiterte aber am Widerstand aus Wolfsburg und aus Schweden: Die Scania-Großaktionäre – Volkswagen und die zur Industriellen-Familie Wallenberg gehörende Beteiligungsgesellschaft Investor – hatten die 10,3 Mrd. Euro schwere Offerte zurückgewiesen. MAN zog das Angebot daraufhin im Januar 2007 zurück.

Inzwischen führt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch auch den MAN-Aufsichtsrat. VW ist größter Anteilseigner bei MAN und Scania und will sein eigenes LKW-Geschäft in Brasilien in eine Allianz mit den beiden Unternehmen einbringen. Ein Zusammenschluss würde einen neuen Marktführer in Europa schaffen.

Der mächtige Großaktionär von Scania und MAN stecke noch immer in der Vorbereitungsphase, heißt es in Industriekreisen. Bisher sei deshalb nicht absehbar, wann eine Entscheidung falle. Allerdings habe VW auch keinen Zeitdruck, da sich beide LKW-Firmen wirtschaftlich gut entwickelten und die Börsen entsprechend freundlich gestimmt seien. Ursprünglich sollten neue Gespräche über eine Allianz zügig nach den Hauptversammlungen von Scania und MAN beginnen. Nach einer sogenannten Abkühlungsphase, die im Mai endete, wollten die Beteiligten ursprünglich einen zweiten Anlauf wagen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. VW-Chef Martin Winterkorn hatte noch Anfang März gesagt, dass die entsprechenden Gremien in Kürze entscheiden würden, wie es bei der LKW-Allianz weitergehe. VW glaube an eine einvernehmliche Lösung mit allen Beteiligten.

Offensichtlich ist die Situation jedoch verwickelter als gedacht: Der Mischkonzern MAN will nicht zerschlagen werden und Scania möchte nicht seine Eigenständigkeit verlieren. In Stockholm schätzt man die Chancen für ein Gelingen der Großfusion jedenfalls noch skeptischer als hierzulande ein. Schwedische Analysten erwarten vor 2008 keinerlei Einigung. Eine Scania-Sprecherin bekräftigte, es gebe keine Gespräche mit MAN: „Wir spüren auch keinen Druck und konzentrieren uns auf unsere Arbeit.“ Der nach Volkswagen zweitgrößte Scania-Aktionär, die Holding Investor, hielt sich wie immer bedeckt.

Auch VW wollte sich zu dem Thema nicht näher äußern. Eine Sprecherin verwies lediglich auf Aussagen von Finanzchef Hans-Dieter Pötsch, der vor wenigen Wochen vor Analysten gesagt hatte, das Unternehmen stehe in dieser Frage nicht unter Zeitdruck. Diese Einschätzung teilt MAN-Chef Samuelsson allerdings offenbar nicht vollständig. „Es gibt keine direkte Deadline, aber man kann natürlich nicht unendlich darüber spekulieren“, sagte er zur angestrebten Allianz. „Die Organisation will ja auch Klarheit über die Frage: Arbeiten wir allein oder sollen wir gemeinsam arbeiten?“

Nach Einschätzung von Analysten stehen beide LKW-Bauer auch wegen wichtiger Investitionsvorhaben in neue Motorentechniken unter Zugzwang. Kommt die Allianz nicht bald, müssen beide Seiten Geld für Parallelentwicklungen ausgeben.

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