Lkw-Bauer
MAN will Brasilien als Standbein ausbauen

Der Lkw-Bauer MAN will Brasilien zu einem seiner wichtigsten Standorte außerhalb Europas ausbauen. Spätestens in zwei Jahren sollen dort zwei Schwertransporter unter eigener Marke produziert werden. Auch in anderen Wachstumsmärkten will MAN seine Präsenz stärken.
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SAO PAULO. „Wir wollen auch im Segment der Lkws über 400 PS vertreten sein“, sagt Håkan Samuelsson, CEO von MAN. Bisher dominieren Mercedes und Scania das Marktsegment der superschweren Lkw. Zusätzlich will MAN künftig vom brasilianischen Motorenbauer MWM exklusiv die Motoren für seine Trucks in Brasilien bauen lassen. MWM ist eine Tochter des US-Lkw-Bauers Navistar. Ein hoher lokaler Fertigungsanteil ist Ziel von MAN, weil Lkw-Importe mit 35 Prozent besteuert werden.

Daneben wird am brasilianischen Standort Resende jedoch auch die Volkswagen-Linie weiter produziert. Im Dezember 2008 hatte MAN von Volkswagen die Lkw-Produktion im Brasilien für 1,2 Mrd. Euro übernommen. Volkswagen baut in Brasilien seit dreizehn Jahren eigene Lkw und ist dort seit 2003 Marktführer mit knapp einem Drittel des Marktanteils für Transporter über fünf Tonnen. Bei Bussen ist MAN Latin America mit VW-Produkten die Nummer Zwei im größten Land der Region. Diesen Erfolg will Samuelsson auch im restlichen Lateinamerika erreichen, wo MAN bisher nur in Mexiko eine eigene Produktion besitzt. Weitere wichtige Exportmärkte für MAN werden künftig Afrika sein sowie der Nahe Osten.

Langfristig soll Brasilien enger mit den anderen MAN-Standorten in den Emerging-Markets integriert werden: In Indien und China hat MAN in den letzten Jahren in Joint-Ventures und Beteiligungen investiert. „Wir denken, dass eine Zusammenarbeit zwischen Brasilien und Indien langfristig Sinn macht, wegen ähnlicher Chassis- und Motorengröße“, sagt Samuelsson. Die Entwicklung neuer Lkw und Antriebe für China würden wegen des anderen Marktsegments – robustere Fahrzeuge mit stärkeren Motoren – jedoch zwischen Deutschland und China direkt stattfinden. „Im mittleren Marktsegment werden sich die Fahrzeuge in der EU und Brasilien langfristig angleichen“, sagt Samuelsson. „Der Standort Resende wird unser Kompetenz-Center für mittlere Lkw-Modelle bleiben.“ In Resende hatten brasilianische und deutsche Entwickler von Volkswagen gemeinsam den Constellation entwickelt, der seit vier Jahren das entscheidende Erfolgmodell des Konzerns in Brasilien ist.

Mit der neuen Standortstrategie in China, Indien, Brasilien sowie Polen für den russischen Markt, will MAN auf allen wichtigen Wachstumsmärkten weltweit präsent sein. „In den BRIC-Staaten wird in den nächsten zehn Jahren in unserer Branche das meiste Wachstum stattfinden. Davon wollen wir profitieren“, sagt Samuelsson. Der Konzern werde aber vermeiden, dass die neuen Standorte untereinander konkurrieren.

Entscheidend für MAN Latin America wird jedoch das Wachstum auf dem brasilianischen Binnenmarkt bleiben: Brasilien ist der sechstgrößte Lkw-Markt weltweit und erholt sich – China ausgenommen – schneller von der Weltwirtschaftskrise als die meisten anderen Absatzmärkte für Lkw weltweit. Bereits nächstes Jahr wird Brasilien wieder mehr als vier Prozent wachsen. Jede Konjunkturerholung schlägt in Brasilien voll auf die Lkw-Absatz durch: 60 Prozent aller Güter werden im Land mit dem kontinentalen Ausmaßen per Lkw transportiert. Nur in Australien, China und Mexiko werden ähnlich viele Güter auf der Straße transportiert. Mit staatlichen Finanzierungshilfen und Steuerreduzierungen hat die Regierung die Spediteure zu Neukäufen trotz der Krise angeregt.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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