Lkw-Bauer
VW: Piechs Geduld mit MAN geht zu Ende

Die Pax Piëch ist zu Ende. Der Herrscher von VW würde MAN und Scania am liebsten zu einem Lkw-Riesen verheiraten - und zur elften Marke von VW machen. Noch zieren die Bräute sich. Aber wie lange noch?

MÜNCHEN/HAMBURG. Die Maschine weckt Jungenträume. Die Fahrerkabine lässt sich nur über eine Leiter erreichen. Das Lenkrad ist so groß wie ein Wagenrad. Der Fuß tippt aufs Gaspedal, und sofort brüllen die 680 PS des V8-Diesels los. 3000 Newtonmeter stehen bereit, um den stärksten Serien-Lkw der Welt anzutreiben, den TGX von MAN. Spielend wuchtet der Super-Laster Baumstämme aus einem Wald oder karrt 20 Tonnen Kleingeld von München nach Wolfsburg.

Keine Frage: Der TGX wäre die perfekte Zugmaschine für den Aufschwung. Wenn denn einer in Sicht wäre.

Es ist aber nichts los, hier im nagelneuen MAN-Forum. Kaum ein Kunde schlendert durch den historischen Rundgang mit den alten Motoren hinter Vitrinenglas, die den Konzern als Gralshüter der Dieseltechnik preisen. Und kaum einer hat sich in den "Lifestyle"-Shop verirrt, der wacker MAN-Manschettenknöpfe zu 42,50 Euro und Kaschmirpolos zu 124 Euro feilbietet.

Es gehe auch darum, das Premiumimage der Marke zu unterstreichen, sagt Hausherr Anton Weinmann. Er ist Nutzfahrzeugchef bei MAN und hat das 100 Millionen Euro teure Forum samt neuem Verwaltungskomplex planen lassen - in besseren Zeiten. MAN erleben und danach den neuen Truck für die Firmenflotte in Empfang nehmen, so hatte es eigentlich sein sollen. Und das Ganze am liebsten bis zu 50-mal am Tag.

Doch heute verlässt gerade mal ein einziger TGX das hypermoderne MAN-Auslieferungszentrum in München-Allach. Ein halbes Dutzend kleinerer Laster dürfte noch folgen. Wieder ein verlorener Tag für Weinmann - und für Hon.-Prof. Dr. techn. h.c. Dipl.-Ing. ETH Ferdinand K. Piëch.

Denn allzu bald dürfte das Münchener Anhängsel im Reich des VW-Patriarchen kein Geld verdienen. Umso dringender, lässt Ferdinand Piëch seit Wochen immer mal wieder durchblicken, sei daher endlich die Heirat von MAN, der VW-Tochter Scania und dem Nutzfahrzeuggeschäft von Volkswagen. So ließen sich Kosten sparen, die neue Lkw-Sparte würde Platzhirsch Daimler bedrängen, und Piëch bekäme die elfte Marke für sein Auto-Imperium. Aus drei mach elf.

Kleines Einmaleins, damit müssen sich Deutschlands Lkw-Bauer schon lange bescheiden. MAN, Nummer zwei im Land, steckt so tief in der Krise wie die gesamte Brummi-Branche. Lange Jahre profitierten die Hersteller vom Logistik- und Globalisierungsboom, ein Verkaufsrekord jagte den nächsten. Die Werke wuchsen. Doch seit einem Jahr geht praktisch nichts mehr.

Um vierzig bis fünfzig Prozent wird der Absatz schwerer Laster in diesem Jahr europaweit einbrechen, schätzt MAN. Fertigungen und Zulieferer sind im Dornröschenschlaf versunken.

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