LKW-Branche
MAN versucht sauberen Neustart

Die schlechten Zeiten bei MAN sind ad acta gelegt: Die Schmiergeldaffäre ist abgeschlossen, 150 Millionen Euro Buße gezahlt und die Ermittlungen eingestellt. Auch Aufsichtsrat Georg Pachta-Reyhofen, der heute als neuen Konzernchef bestätigt wird, soll für frischen Wind sorgen.
  • 0

MÜNCHEN/FRANKFURT. MAN schließt ein wichtiges Kapitel der Vergangenheit ab. Am Donnerstag einigte sich das Unternehmen mit der Staatsanwaltschaft München auf die Zahlung einer Geldbuße von insgesamt 150 Mio. Euro. Die Behörde stellt damit die Ermittlungen gegen den Lastwagen- und Dieselmaschinenhersteller ein. Damit endet vorerst die Affäre um Schmiergeldzahlungen, die Konzernchef Håkan Samuelsson und zahlreiche Topmanager zuletzt die Posten gekostet hat. Zudem gilt es als sicher, dass der Aufsichtsrat auf seiner heutigen Sitzung Georg Pachta-Reyhofen als neuen MAN-Chef bestätigen wird. Der bisherige Chef der Sparte Power Engineering führt seit dem Rücktritt Samuelssons den Konzern kommissarisch.

Für den Neustart ist die am Donnerstag geschlossene Vereinbarung die Voraussetzung. Die Staatsanwaltschaft verhängte je 75 Millionen Euro Strafe gegen den Nutzfahrzeug-Bereich und gegen die MAN Turbo AG, die heute unter der Marke Power Engineering arbeitet. Die Lkw-Sparte hatte insbesondere im Auslandsgeschäft mit hohen Bestechungssummen das Geschäft mit Stadtbussen angeschoben. MAN Turbo wurde vorgeworfen, unter anderem Regierungsstellen in Kasachstan bestochen zu haben, um Kompressoren für die Ölindustrie des Landes liefern zu können. Insgesamt werfen die Ermittler den Gesellschaften eine "mangelhafte Compliancestruktur" in der Vergangenheit vor. "Die hiermit erzielen Gewinne werden durch den heute erlassenen Bescheid abgeschöpft", so die Ermittler.

"Wir sind erleichtert", sagte ein MAN-Sprecher am Nachmittag. "Wir haben alles dafür getan, damit das ein Meilenstein wird", hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Der Konzern verweist darauf, dass die Staatsanwaltschaft vollen Zugang zu den internen Ermittlungen gehabt habe. Dennoch werde weiter gegen einzelne Mitarbeiter des Unternehmens ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Bericht über interne Ermittlungen

MAN will am heutigen Nachmittag nach der Sitzung des Aufsichtsrats zudem einen Bericht über die internen Ermittlungen geben. Demnach haben die vom Aufsichtsrat beauftragten Rechtsanwälte der Kanzlei Wilmer Hale für die vergangenen zehn Jahre fragwürdige Zahlungen in allen Konzernbereichen im "hohen zweistelligen Millionenbereich" ausgemacht. Ab 2006 allerdings, mit Installierung eines schärferen Compliance-Systems, hätten die verdächtigen Geschäfte deutlich abgenommen, heißt es.

Als sicher gilt, dass MAN sich vorbehalten wird, Regressansprüche gegen ehemalige Mitarbeiter zu prüfen. Das könnte auch ehemalige Vorstandsmitglieder betreffen.

Seite 1:

MAN versucht sauberen Neustart

Seite 2:

Kommentare zu " LKW-Branche: MAN versucht sauberen Neustart"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%