Lkw-Hersteller
Stagnation in Brasilien belastet MAN

Die VW-Tochter hat einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Schuld daran war das schwache Geschäft in Südamerika. Auch die Aufträge gingen zurück. Trotzdem konnte MAN einen Gewinn verbuchen.
  • 0

MünchenDie schwache Wirtschaftsentwicklung im einstigen Boomland Brasilien macht dem Lastwagen- und Maschinenbauer MAN schwer zu schaffen. „Während MAN die konjunkturelle Lage in Europa wieder optimistischer bewertet, sieht sich das Unternehmen im sehr wichtigen brasilianischen Markt mit größeren Herausforderungen konfrontiert“, erklärte die VW-Tochter am Mittwoch. In Brasilien, wo MAN zuletzt drei von knapp 16 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftete, werde der Konzern im laufenden Jahr voraussichtlich 700 Millionen Euro Umsatz verlieren.

Weil das Geschäft im größten Markt Lateinamerikas auch im vergangenen Quartal um 17 Prozent einbrach, schraubte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen seine Umsatzerwartungen für den gesamten Konzern zurück. Der Manager erwartet einen Umsatz, der „spürbar unter dem Vorjahreswert liegen dürfte“ – bisher hatte er lediglich einen „leichten“ Rückgang in Aussicht gestellt. Im zweiten Quartal schrumpften der Auftragseingänge um zwei und die Umsätze um zwölf Prozent.

In Brasilien kamen zur sinkenden Nachfrage auch Kursverluste durch die Abwertung des Real hinzu, so dass bei dem deutschen Konzern in Euro nicht mehr so viel ankam wie erhofft. Die Brasilien-Tochter arbeite jedoch profitabel, betonte Pachta-Reyhofen. Das Wirtschaftswachstum des Landes hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt.

Einen Hoffnungsschimmer machte der MAN-Chef dagegen in Europa aus. Die Zuversicht schlug sich aber noch nicht bei den Lkw-Bestellungen nieder, die Auftragseingänge in Europa stagnierten im zweiten Quartal.

Der Betriebsgewinn, der im vergangenen Jahr noch von Rückstellungen für missratene Kraftwerksprojekte belastet worden war, werde aber wie geplant deutlich steigen, bekräftigte der Vorstandschef. Denn erstens habe MAN die Kraftwerksprobleme mittlerweile im Griff, die Rückstellungen dafür sollten ausreichen. Zweitens könne MAN seine Kosten senken. Durch die Integration in den Volkswagen-Konzern profitiere MAN von dessen günstigeren Einkaufsbedingungen beispielsweise für Stahl. Außerdem habe sich MAN von Leiharbeitern getrennt.

Im ersten Halbjahr verdiente MAN deshalb bereits mehr als zwei Drittel dessen, was operativ im gesamten vergangenen Jahr übrigblieb: Von Januar bis Juni stand ein Betriebsgewinn von 222 Millionen Euro zu Buche, davon 154 Millionen im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr 2013 hatte der Konzern ein Ergebnis von 309 Millionen Euro ausgewiesen.

Sorgen macht dem Münchner Konzern auch der russische Markt, der zuletzt allerdings nur fünf Prozent zum Umsatz beitrug. Angesichts der Ukraine-Krise verzeichnet MAN in Russland einen Auftragseinbruch. Die Nachfrage der verunsicherten russischen Kundschaft sei im zweiten Quartal um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen, sagte Vorstandsmitglied Anders Nielsen. „Das ist das, was am meisten wehtut in Russland.“

Die Abwertung des Rubel und die Wirtschaftssanktionen westlicher Staaten sorgten den Vorstand dagegen weniger, fügte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen hinzu. Er unterstütze die wirtschaftlichen Druckmittel des Westens, auch wenn man damit eigene Nachteile in Kauf nehme. „Sanktionen sind nie gut, Konflikte aber auch nicht. Der Konflikt hat zuerst begonnen. Deswegen finde ich es ganz richtig, das Sanktionen folgen.“

MAN gehört wie das Schwesterunternehmen Scania zum Volkswagen-Konzern. VW will aus seinen Lkw-Töchtern eine schlagkräftige Allianz schmieden, die es mit den führenden Lastwagenbauern Daimler und Volvo aufnehmen kann. Die zähe Erholung in Europa bremste den schwedischen Lkw-Bauer Volvo im zweiten Quartal. Scania profitierte dagegen von der wirtschaftlichen Erholung auf dem Heimatkontinent. Alte Lkw würden zunehmend ersetzt, der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal leicht an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Lkw-Hersteller: Stagnation in Brasilien belastet MAN"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%