Lockheed Martin macht mit dem Joint Strike Fighter Konkurrenz
Eurofighter ist längst noch nicht am Ziel

Wenn heute der erste Eurofighter von Verteidigungsminister Peter Struck und seinen Amtskollegen aus Großbritannien, Spanien und Italien die Typenzulassung erhält, hat eines der größten europäischen Rüstungsgeschäfte eine entscheidende Stufe erreicht.

ink/tom BERLIN. Die Industrie hofft, dass der Bund insgesamt 180 Flugzeuge im Wert von 15 Mrd. Euro beschafft. In Europa sollen im Jahr 2014 620 Jets Dienst tun, wenn das Programm nach der Auslieferung von drei Tranchen abgeschlossen ist.

Doch bis dahin muss das anspruchsvolle Projekt noch Hürden nehmen, die zugleich für die im Eurofighter-Konsortium zusammen geschlossenen Firmen EADS, Alenia Aerospazio und BAE Systems sowie den Triebwerksherstellern MTU, Rolls Royce, Fiat Avio und ITP ein großes Risiko darstellen.

Der Jet hatte immer wieder unter Verzögerungen zu leiden - eine Folge der technischen Probleme bei der Entwicklung. Die Bundesregierung will die Zulassung nach Informationen dieser Zeitung daher nur unter Vorbehalt gewähren - schon um die Firmen später möglicherweise regresspflichtig machen zu können.

Die Software bildet die Voraussetzung für eine der Stärken des Jets: „Der Eurofighter ist besonders für die Netzwerkkriegsführung geeignet, in der verschiedene Waffensysteme miteinander verbunden sind“, sagt Sascha Lange, Militärexperte bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik.

Doch das drängendste Problem sind zur Zeit die Verhandlungen über die Produktion der zweiten Tranche, die ab Mitte 2006 an die Kunden geliefert werden soll. In einer Absichtserklärung haben die beteiligten Länder sich zwar zur Abnahme einer bestimmten Zahl Flugzeuge verpflichtet, bestellt sind sie jedoch noch nicht. Dabei sollten die Verhandlungen zwischen dem Eurofighter-Konsortium und der NETMA, die die Länder vertritt, bereits im letzten Jahr abgeschlossen sein. Kommt die Bestellung in diesem Jahr nicht zügig auf dem Weg befürchtet die Industrie Produktionsausfälle, „die letztlich die Kosten weiter nach oben treiben werden“, so ein EADS-Sprecher.

In dieser Woche wollen die Partner ein Rahmenabkommen für die nächste Produktionsphase unterzeichnen, nach der Deutschland 68 Flugzeuge erhalten soll. Doch auch wenn das Bundesverteidigungsministerium betont, dass man zu den 180 Maschinen steht – in Parlamentskreisen gilt das keineswegs als sicher. „Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage muss man schon die Frage stellen dürfen, wie groß der Bedarf an Jagdflugzeugen eigentlich noch ist“, meint etwa der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Wilfried Nachtwei, gegenüber dem Handelsblatt.

Bleibt auch die Frage des Exports. Bisher gilt als wahrscheinlich. dass Österreich 18 Maschinen abnimmt und auch Griechenland hat Interesse angemeldet. Doch langfristig konkurriert der Eurofighter, der für den Export den Namen „Typhoon“ trägt, auch mit dem Joint Strike Fighter (JSF) des Konsortiums um Lockheed Martin, der etwa ab 2012 ausgeliefert werden soll. „Dem Design nach ist der JSF wesentlich moderner als der Eurofighter“, meint Lange. Mit starker politischer Unterstützung vermarktet Lockheed das Projekt zur Zeit international. Doch ob es tatsächlich bei dem angepeilten Serienstart bleibt, ist fraglich. In einem Gutachten für den US-Kongress heißt es, die Technik des JSF sei noch nicht ausgereift.

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