Lockheeds Kampfjet JSF hat aber immer noch Startprobleme
US-Rüstungsfirmen profitieren von Regierungsaufträgen

Für die US-Rüstungskonzerne war das vergangene Jahr sehr profitabel: Lockheed Martin, der Branchenprimus, legte ein stetiges Wachstum hin und kann einen Rekordumsatz von 31,8 Mrd. $ verbuchen – rund 20 % mehr als im Jahr zuvor.

DÜSSELDORF. Lockheed, die unter anderem Kampfjets wie die F-16 – das meistverkaufte Modell in der Welt – bauen, kann sich zudem auf einem prallen Auftragsbuch ausruhen: Darin finden sich Projekte im Wert von 76,9 Mrd. $. Auch der Reingewinn fällt mit gut 1,1 Mrd. $ doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Getragen wird er vor allem vom guten Geschäft mit Kampfjets.

Stetiges Wachstum verzeichnet auch Raytheon, ein Hersteller von Lenkwaffen wie der Tomahawk Cruise Missile: Der Umsatz stieg um 8 % auf 18,1 Mrd. $, allerdings lag der Reingewinn mit 535 Mill. $ unter dem des Vorjahres. Doch auch Raytheon kann sich auf die rüstungsfreundlichste US-Administration seit Jahrzehnten verlassen. Der Umsatz im Bereich „Regierung und Rüstung“ legte um 7 % zu, im vergangenen Quartal gar um 40 %, zuletzt auch wegen der steigenden Nachfrage nach satellitengestützten Raketen. Die Läger sind nach dem Irak-Krieg leer und werden nun wieder vom Pentagon aufgefüllt.

Analysten zeigen sich von diesem Auftakt der Berichtssaison der großen US-Rüstungshersteller wenig überrascht. Die guten Zahlen wurden allgemein erwartet. Doch trotz rosiger Rahmenbedingungen für die Industrie zeichnen sich Probleme ab: „Die Pensionsverpflichtungen spielen bei den US-Konzernen nach wie vor eine große Rolle“, sagt Nick Fothergill von Banc of America Securities. Beispiel Raytheon: Das Ergebnis wurde vor allem auch durch zusätzliche Kosten für die Pensionskasse von 319 Mill. $ gedrückt. „Auch die Ausgaben von Lockheed waren höher als erwartet“, sagt Fothergill.

Probleme mit dem F-35

Den größten Risikofaktor bilden nach wie vor die großen Waffensysteme, wie die F-35, der Joint Strike Fighter, der zur Zeit unter der Federführung von Lockheed Martin für rund 33 Mrd. $ entwickelt wird. Immer wieder müssen Auslieferungstermine auf Grund technischer Probleme verschoben werden. Erst kürzlich musste Lockheed einräumen, den Liefertermin 2010 für eine F-35 Version für das US Marine Corps nicht einhalten zu können. Einer der Gründe: Nach wie vor ist der Flugzeugrumpf zu schwer für die Fähigkeiten, die der Jet haben soll.

Die steigende Kosten für das Programm werden zwar noch vom Pentagon getragen. Beobachter sehen aber langfristig politische Probleme: Die US-Regierung könnte versucht sein, die Mehrkosten auch auf die Partnernationen bei dem Projekt umzulegen. Zu Beginn des Jahres haben mehr europäische Länder die F-35 bestellt als den Eurofighter, schreibt Richard Aboulafia von der Teal Group in einer Studie. Nicht alle sind mit der Entscheidung zufrieden: So klagt unter anderem die norwegische Industrie darüber, bei ihrem Arbeitsanteil an dem Programm schlecht weg zu kommen.

„Man kann wohl davon ausgehen, dass sich die geplanten Stückzahlen noch stark reduzieren werden“, sagt Sascha Lange, Rüstungsanalyst bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Ein Beispiel dafür ist die F-22 Raptor aus dem Hause Lockheed: Von einst 780 geplanten Jets will das Pentagon heute nur noch 270 haben. Den an den Projekten beteiligten Unternehmen bleibt ein Trostpflaster: „Die US-Luftwaffe muss ihre heutigen Jets bald ersetzen, weil sie zu alt sind“, meint Lange. Doch ob die neuen Modelle wirklich die kostengünstigeren werden, ist keinesfalls sicher.

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