Löscher gibt angeblich aggressive Gewinnziele vor
Siemens droht massive Stellenstreichung

Der neue Vorstandschef Peter Löscher trimmt Siemens einem Pressebericht zufolge auf deutlich mehr Rentabilität. Er wolle dem Münchener Traditionskonzern eine straffere Struktur verpassen und Tausende Stellen streichen, heißt es. Details zur Konzernstrategie seien nächste Woche bei Vorlage der Bilanzzahlen für 2007 zu erwarten.

HB MÜNCHEN. Die „Financial Times“ berichtete ohne Angaben von Quellen, Löscher will Tausende Stellen streichen und dem Konzern aggressive neue Gewinnziele vorgeben. Er plane zudem, die Gehälter von Topmanagern stärker als bisher an das Erreichen ihrer Ziele zu koppeln. Das Unternehmen selber hält sich zu dem Bericht über angebliche massive Stellenstreichungen bedeckt. „Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung“, sagte ein Siemens-Sprecher am Freitag. Siemens beschäftigt weltweit rund 475 000 Mitarbeiter und will am Donnerstag Zahlen zum Geschäftsjahr 2006/07 (30. September) bekanntgeben.

Die neuen Vorgaben sollen sich nach Angaben der „Financial Times“ an den Wettbewerbern wie General Electric (GE) und ABB orientieren. Mit seinem Vorstoß wolle Löscher den Rückstand gegenüber Konkurrenten verringern, die teils deutlich profitabler arbeiten. Löscher störe sich daran, dass Siemens zwar über führende Technik verfügt, aber in keinem seiner zehn Geschäftsfelder bei der Rendite vorn liegt, schreibt die Zeitung.

Während die Industriegeschäfte von Siemens in den ersten neun Monaten des Jahres eine Umsatzrendite von 8,5 Prozent erreichten, kam etwa der US-Konkurrent GE auf 14,7 Prozent. „Wir waren nicht ehrgeizig genug“, sagte Löscher laut dem Bericht gegenüber Mitarbeitern. Er wolle bei Siemens eine Kultur des „Alles ist machbar“ durchsetzen, wie sie viele US-Konzerne pflegen.

Die geplanten Sparmaßnahmen sehen nach Informationen der Zeitung unter anderem vor, dass das mittlere Management ausgedünnt wird. Bislang hat Löscher aber keine genauen Zahlen genannt. Nach Schätzungen von Analysten könnten in den nächsten Jahren bis zu 10 000 der über 400 000 Stellen bei Siemens wegfallen - der Großteil davon außerhalb Deutschlands.

Siemens soll dem Bericht zufolge nur noch aus den drei Bereichen Energie, Industrie und Medizintechnik bestehen. Bislang ist das Unternehmen in zehn Sparten gegliedert, die jeweils von einem Bereichsvorstand geführt werden. An der Börse beeindruckte der Bericht wenig: Die Siemens-Aktie gab 1,2 Prozent auf 90,82 Euro nach. Der Gesamtmarkt lag ebenfalls gut ein Prozent im Minus.

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