Löscher wirbt um Vertrauen der Mitarbeiter
Siemens offenbar im Visier der Weltbank

Während der neue Siemens-Chef Peter Löscher in den Affären um schwarze Kassen und bezahlte Betriebsräte auf der einen Seite um das Vertrauen der Mitarbeiter wirbt ermittelt auf der anderen Seite nun offenbar auch die Weltbank in Washington gegen den Konzern.

HB HAMBURG. Wie der „Spiegel“ berichtet, war ein Ermittler bereits im Februar nach München gereist. In einem Gespräch mit Staatsanwälten, die seit November vergangenen Jahres mögliche Schmiergeldzahlungen des Konzerns in dreistelliger Millionenhöhe untersuchen, wollte der Fahnder aus Washington wissen, ob bei den bisherigen Ermittlungen auch Projekte der Weltbank eine Rolle spielten. Entsprechende Gespräche bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld dem Magazin.

Die Washingtoner Ermittler untersuchen dem Bericht zufolge unter anderem ein Kraftwerksprojekt in Pakistan, das Ende der 90er Jahre abgeschlossen wurde. Sie gingen dem Verdacht nach, ob die von der Weltbank mitfinanzierte und von Siemens gebaute und später mitbetriebene Anlage überhöht abgerechnet worden sei. Es gehe dabei um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Siemens habe erklärt, im Jahr 2004 habe sich ein ehemaliger Mitarbeiter mit Vorwürfen zu dem Projekt an das Unternehmen gewandt. Die Vorwürfe seien damals geprüft worden, man habe jedoch keine Hinweise auf mögliche Verfehlungen gefunden, zitierte das Magazin einen Sprecher.

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher, der am Sonntag offiziell die Nachfolge von Klaus Kleinfeld antrat, warb unterdessen in einem Brief an die Mitarbeiter um deren Vertrauen. „Die Zukunft liegt in unserer Hand“, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ aus dem Schreiben. „Ich versichere Ihnen, dass ich einen offenen Kommunikationsstil zu Ihnen pflegen werde“, versprach Löscher. „Die Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens, und Ihnen gebührt besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit.“

Siemens sei ein großartiges Unternehmen, mit hervorragenden Mitarbeitern, beeindruckenden Produkten und einer einzigartigen Geschichte. Er sei daher zuversichtlich, dass der Konzern „letztlich gestärkt“ aus den Korruptionsaffären hervorgehen werde, schrieb der Siemens-Chef weiter. „Wir können mit Siemens noch erfolgreicher werden. Dazu müssen wir alle zusammenarbeiten. Ich werde meinen Teil dazu beitragen und vertraue auch in Ihr Engagement, Ihr Wissen, Ihre Kraft.“

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