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10.07.2007 
Neuer Siemens-Chef

Löschers geschmeidiger Antritt

von Christoph Hardt und Joachim Hofer

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher ist erst seit wenigen Tagen im Amt. Doch schon jetzt spürt man, dass sein Führungsstil so ganz anders ist als der seines Vorgängers Klaus Kleinfeld. Das haben die Mitglieder des Clubs Wirtschaftspresse München hautnah zu spüren bekommen.

Peter Löscher kommt bei seiner Umwelt gut an. Foto: apLupe

Peter Löscher kommt bei seiner Umwelt gut an. Foto: ap

MÜNCHEN. Der Regen prasselt auf den ganz mit Glas verkleideten Dachgarten des „Bayerischen Hofs“. Für Löscher, den man sich polternd gar nicht vorstellen kann, ist das auch akustisch eine Herausforderung. Vor genau neun Tagen hat der gebürtige Österreicher sein Amt als Chef von Siemens angetreten. An diesem trüben Montag absolviert Deutschlands meist beachteter Manager seinen dritten öffentlichen Auftritt binnen zwei Wochen. Er stellt sich den Fragen der Mitglieder des Clubs Wirtschaftspresse München. Drei Auftritte in zwei Wochen sind viel für einen Mann, dem sein Aufsichtsratschef aufgetragen hat, zunächst „drei Monate zuzuhören“.

Löscher sagt inhaltlich nicht viel, das aber elegant. Und vor allem sagt er es mit einer Nettigkeit, die so anders ist als die Aufführung, die sich sein Vorgänger leistete. Klaus Kleinfeld versenkte beim ersten Treffen mit der Presse das Handy eines italienischen Journalisten in einem Glas Wasser. Das Bild ist haften geblieben.

Kurz vor Löscher Amtsantritt ist die Siemens-Kommunikation runderneuert worden, man hat sich auch dort viel vorgenommen. Im historischen Saal des Nürnberger Rathauses geht Löscher Ende Juni, noch bevor er offiziell überhaupt angefangen hat, daher zum ersten Mal auf die Reporter zu. „Evolution statt Revolution“ gibt der große, sportliche Mann als Leitlinie aus.

Eine Woche später steht Löscher erneut unter Totalbeobachtung, bei seinem ersten offiziellen Pressetermin in Berlin. Doch auch dort lässt sich der Mann kein Wort darüber entlocken, an was er letztlich einmal gemessen werden möchte. Oder wo er mit Siemens in fünf Jahren stehen will. Stattdessen übt sich Löscher eloquent in Allgemeinplätzen.

Nicht alles anders aber manches besser zu machen, das könnte bei aller Unverbindlichkeit Löschers Devise für die ersten Auftritte sein. Sein Vorgänger Kleinfeld hat zum Schluss seiner Amtszeit erkennen lassen, dass er den Kontakt zu den Medien am Anfang viel zu selten gesucht habe. Dies wird Löscher später niemand vorwerfen können.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Rätselhafte Andeutungen

Viele Mitarbeiter des von einer Korruptionsaffäre schwer erschütterten Konzerns atmen jedenfalls schon auf. „Peter Löscher beruhigt prophylaktisch die Gemüter“, heißt es bei der IG Metall, die sich zu Beginn seiner Amtszeit auf eine „ruhige Hand“ und „Kontinuität“ freut.

Das Problem vergleichsweise allgemein gehaltener Botschaften freilich ist ihre Interpretationsfähigkeit. Und so wird seit Tagen gerätselt, was es bedeutet, wenn Löscher sagt, er wolle Siemens „weniger komplex, schneller und effizienter“ machen. Viele Zeitgenossen haben das als Ankündigung verstanden, der Vater dreier Kinder plane in der Spitze ein Großreinemachen. Vor dem Club Wirtschaftspresse klingt das etwas anders: Eine angeblich angedachte Verkleinerung des Zentralvorstands sei eine „völlig vereinfachte und völlig falsche Darstellung“, diktiert der Ex-Vorstand des Siemens-Rivalen General Electric den Reportern in die Schreibblöcke.

Wenn dieser Mann mit etwas ans Werk geht, dann mit einer gehörigen Portion Vorsicht. „Ich muss erst einmal die Menschen kennenlernen“, wiegelt der CEO im „Bayerischen Hof“ Fragen nach schnellen Konsequenzen mit der ihm eigenen Geschmeidigkeit ab. Und überhaupt: Für solch weitreichende Veränderungen sei es noch viel zu früh.

So dreht und wendet sich der Neue, 100 Tage will er sich nehmen, um das komplexe Gebilde Siemens in Augenschein zu nehmen. Kennenlernen muss er es noch, ins Herz geschlossen hat er es offenbar schon. „Ich werde keinem anderen Unternehmen mehr vorstehen als Siemens“, sagt er plötzlich. Das ist dann doch eine Botschaft: Peter Löscher, das soll bei Siemens keine Episode werden.

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