Logistiker Karl M. Pfenning
„Wasser im Tank geht eben nicht“

Die Logistikbranche rutscht in die Krise, die Unternehmen befürchten eine Pleitewelle. Im Handelsblatt-Interview spricht der Kontraktlogistiker Pfenning über das schwierige Marktumfeld, die Begehrlichkeiten der Politik und die Chancen der Expansion.

Handelsblatt: Herr Pfenning, spüren Sie den Abschwung, von dem alle reden?

Karl-Martin Pfenning: Was ich von den Zulieferern und Kollegen höre, signalisiert, dass wir einen Abschwung bekommen werden. Vor allem die Investitionsgüterindustrie wird stark betroffen sein.

Und das merken Sie bereits?

Unser Markt wächst weiter, auch wenn wir gesamtwirtschaftlich in eine Schwächeperiode hineingeraten. Aber ich gehe davon aus, dass der Logistikmarkt dennoch zwischen 2,5 und drei Prozent zulegen wird. Unser Umsatz ist im letzten Jahr von 210 Mio. auf 220 Mio. Euro gestiegen.

Das ist aber weniger als in den Jahren zuvor, oder?

Ja, wir hatten ein wesentlich ruhigeres Wachstum. Das hängt aber auch damit zusammen, dass wir nicht genügend qualifiziertes Personal rekrutieren konnten. Hätten wir uns hier nicht selbst beschränkt, wären wir sicherlich wieder zweistellig gewachsen. Dennoch ist das Geschäft schwieriger geworden.

Inwiefern?

Wir führen derzeit sehr viel Gespräche und Verhandlungen, um Preiserhöhungen durchzusetzen. Kaum hat man eine Schlacht geschlagen, kommt schon die nächste, weil die Kosten etwa beim Dieselpreis schneller davonlaufen als man verhandeln kann. Das ist ja unser Problem: Wir bekommen die Kosten in Echtzeit, müssen aber Monate warten, bis wir diese weitergeben können.

Aber sie haben doch Dieselpreis-Gleitklauseln mit ihren langfristigen Kunden vereinbart, die die Schmerzen lindern...

...die aber nicht mehr funktionieren, da die Preise so explodiert sind. Durch den enormen Anstieg bei den Dieselkosten ist deren Anteil an den Gesamtkosten deutlich gestiegen, also müssen die Rechenformeln neu aufgebaut werden, was neue Verhandlungen bedeutet.

Haben ihre Kunden, die wie etwa die großen Lebensmittelketten ihrerseits ebenfalls unter Margendruck stehen, Verständnis für ihre Wünsche?

Die Verhandlungen werden zäher. Vor einiger Zeit war man da noch etwas entgegenkommender. Jetzt ziehen sich die Gespräche teilweise über Monate hin. Ich denke aber, dass wir es hinbekommen werden. Wasser im Tank geht eben nicht.

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