Lohndumping verzerrt den Markt
HDW-Auftrag zum Bau von Containerschiffen geplatzt

Bei der größten deutschen Werft HDW ist ein Auftrag zum Bau von vier Containerschiffen wegen Unstimmigkeiten über die Bezahlung der Arbeiter gescheitert.

HB/dpa KIEL. Wie die Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) am Dienstag in Kiel mitteilte, hat der Vorstand das Projekt abgelehnt, weil die IG Metall und die betriebliche Tarifkommission einem notwendigen Lohnverzicht der Mitarbeiter nicht zugestimmt hätten. Eine für Mittwoch geplante Aufsichtsrats-Sitzung wurde abgesagt. Betriebsrat und Gewerkschaft wiesen den Vorwurf zurück, sie hätten den Auftrags verhindert.

Die Hamburger Münchmeyer Petersen Steamship GmbH & Co. KG (MPC) und HDW hatten im Juni eine Absichtserklärung für den Bau von vier Containerschiffen unterzeichnet. Die Ablieferung der Schiffe war für die Jahre 2004 und 2005 geplant.

Wegen des durch koreanisches Dumping verzerrten Handelsschiff- Marktes habe der Vorstand versucht, eine längerfristige Lösung für den Bau dieser Schiffe zu finden, hieß es in der HDW-Mitteilung weiter. Dies sei auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass das Unternehmen mit seinem Lohnniveau an der Spitze aller deutschen Werften stehe. Vorstand und Eigentümer hätten daher den Abschluss von einem dauerhaften Beitrag aller HDW-Mitarbeiter abhängig gemacht, der die Wettbewerbsfähigkeit des Kieler Standortes stärken sollte. Im Gegenzug sei das Unternehmen bereit gewesen, bei diesem Auftrag Verluste in Höhe des Mitarbeiter-Beitrages zu akzeptieren.

Der Kieler IG Metall-Chef Wolfgang Mädel wies die Vorwürfe zurück. „Wenn man Vorschläge unterbreitet, können Ergebnisse nur durch Verhandlungen erzielt werden“, sagte Mädel. „Unser Verhandlungsauftrag, der von der großen Mehrheit der Belegschaft getragen wurde, war, eine zeitlich befristete Regelung zu treffen“, sagte Mädel. Dies habe der HDW-Vorstand jedoch abgelehnt. Nach Mädels Worten ging es letztlich um einen dauerhaften Lohn- und Gehaltsverzicht der Mitarbeiter in Höhe von 10 Prozent, was rund 12 Millionen Euro jährlich bedeutet hätte. Außerdem hätte die Belegschaft drei Stunden länger pro Woche ohne Gehalt- und Lohnausgleich arbeiten sollen. Dies habe die Tarifkommission abgelehnt.

Der HDW-Vorstand kündigte an, die unterbrochenen Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan sowie über den Abbau von Arbeitsplätzen wieder aufzunehmen. Wegen der Auftragskrise im zivilen Schiffbau hatte die Traditionswerft bereits angekündigt, 750 der insgesamt 3400 Arbeitsplätze abzubauen. Ungewiss ist auch, wem HDW künftig gehören wird. Seit Monaten kursieren außerdem Spekulationen über Verkaufspläne des Eigentümers.

In einer ersten Reaktion bedauerte das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium, dass es trotz Entgegenkommens der Belegschaft nicht zu einem endgültigen Abschluss des Schiffbauauftrags gekommen sei. „Wir gehen davon aus, dass sich die Werft weiter aktiv um Aufträge im Handelsschiffbau bemüht. Das Land steht mit seinem Instrumentarium wie Wettbewerbshilfe und Landesbürgschaften flankierend zur Verfügung“, sagte Ministeriumssprecher Eckhard Jacobs.

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